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Refertilisierung beim Mann: Vasektomie rückgängig machen

Die Sterilisation des Mannes durch Samenleiterunterbindung, Vasektomie genannt, ist eine weit verbreitete und sehr sichere Methode zur Verhütung, die bei vielen Urologen zum Standard gehört. Die neuesten Studien aus den USA zeigen, dass die Sterilisation des Mannes inzwischen die vierthäufigste Verhütungsmethode ist – mit steigender Tendenz. Lange Zeit ging man davon aus, dass sie endgültig ist.

RefertipaarDoch manchmal ändern sich Lebensumstände, und wenn der Wunsch nach einem (weiteren) Kind entsteht, ist die Refertilisierung die einzige Möglichkeit zu einer natürlichen Schwangerschaft. Andere Verfahren haben meist eine schlechtere Erfolgsquote und können deutlich höhere Kosten mit sich bringen.

Sterilisation beim Mann sind nicht mehr endgültig

Über 30 Prozent der Männer, die eine Vasektomie haben durchführen lassen, entwickeln im Nachgang einen (oft erneuten) Kinderwunsch. Etwa sechs bis zehn Prozent aller Männer, die sich sterilisieren ließen, entscheiden sich, diesen Eingriff wieder rückgängig machen. Hierzu wird eine mikrochirurgische Operation durchgeführt, Refertilisierung oder auch Vasovasostomie genannt. Bei dieser Operation kann die Zeugungsfähigkeit des Mannes wieder vollständig hergestellt werden.

Die Methoden

In unserer pdf-Broschüre zum Thema Mikrochirurgische Refertilisierung haben wir Ihnen die wichtigsten Informationen rund um das Thema zusammengestellt.

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Die Zeugungsfähigkeit auf natürlichem Wege ist nur bei durchgängigen Samenleitern gegeben. Diese kann entweder durch Wiederverbindung der Samenleiter (Vasovasostomie, überwiegend nach Sterilisation) oder durch Anbindung des Samenleiters an ein Nebenhoden-Kanälchen (Vaso-Epididymostomie oder Tubulovasostomie) hergestellt werden. Beide Verfahren werden ambulant in Vollnarkose durchgeführt.

 

Vasovasostomie

Die Vasovasostomie ist ein mikrochirurgisches Verfahren, bei der die Samenleiter nach einer Vasektomie wieder miteinander verbunden werden. Die Operation erfolgt unter Verwendung eines hochauflösenden Mikroskops und sehr feiner Instrumente und setzt spezielles operatives Training und vor allem große Erfahrung auf dem Gebiet der chirurgischen Refertilisierung (Wiederherstellung der Zeugungsfähigkeit) voraus (mehr zum Thema Vasovasostomie).

Vaso-Epididymostomie

Bei der Vaso-Epididymostomie (oder Tubulovasostomie) handelt es sich um einen noch komplexeren Eingriff. Hier erfolgt die operative Zusammenführung des Samenleiters an die noch feineren und kleineren Nebenhodenkanälchen. Nur sehr mikrochirurgisch versierte und geübte Operateure können dies erfolgversprechend durchführen.

Die Entscheidung, ob eine Vasovasostomie oder eine Vaso-Epididymostomie durchgeführt wird, fällt intraoperativ durch eine spezielle Untersuchung der Samenflüssigkeitsqualität an. Wenn aus den hodennahen Samenleitern keine Spermien austreten, sucht der Operateur eine geeignete Verbindungsstelle mit den Nebenhodenkanälchen, um die Zeugungsfähigkeit wieder herzustellen. In ca. 10 Prozent der Fälle ist die Vaso-Epididymostomie der Eingriff der Wahl (mehr zum Thema Vaso-Epididymostomie).

Unsere Erfolgsquoten bei einer Refertilisierung

Prof. Dr. Sommer ist auf diesem Gebiet führend. Er hat weit über 1.500 Eingriffe dieser Art bislang durchgeführt. Hierbei ist essenziell, die richtige Technik anzuwenden. Er führt die Samenleiter-Enden unter einem Mikroskop mit ca. 20facher Vergrößerung wieder zusammen. Unsere Erfolgsquote bezüglich der Durchgängigkeit nach Zusammenführung der Samenleiter liegt bei über 95 Prozent. Die Schwangerschaftsraten sind dann genauso, als ob der Mann nie eine Sterilisationsoperation hatte.

Studien haben ergeben, dass es für die Erfolgswahrscheinlichkeit der Refertilisierungsoperation nicht erheblich ist, wie lange die Vasektomie her ist. Im Internet kursieren leider immer noch viele Halbwahrheiten und Mythen zu diesem Thema, sodass viele Männer (und teilweise auch Ärzte) davon ausgehen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Erfolgswahrscheinlichkeit und der Anzahl der Jahre, wie lange die Vasektomie her ist, gibt. Dies ist allerdings nicht der Fall. Entscheidend ist, dass die diagnostischen und partnerschaftlichen Parameter stimmen. Ist dies gegeben, sind erfolgreiche Refertilisierungen mit hoher Wahrscheinlichkeit möglich, unabhängig davon, wie lange die Vasektomie her ist.

Alternative Verfahren

Eine operative Alternative ist beispielsweise die künstliche Befruchtung mittels ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion). Hierbei werden die Spermien des Mannes chirurgisch gewonnen und für eine künstliche Befruchtung eingesetzt.

Der Nachteil dieser Operation ist, dass die Partnerin über Wochen hormonell stimuliert wird und sich zusätzlich einem operativen Eingriff unterziehen muss. Darüberhinaus geht die künstliche Befruchtung mit einem erhöhten Risiko von Mehrlingsschwangerschaften einher, was für die Frau eine Risikoschwangerschaft bedeutet.

Bei einer Refertilisierungsoperation entfallen diese Belastungen der Partnerin. Des Weiteren sind die langfristigen Schwangerschaftsraten höher als bei einer künstlichen Befruchtung. Die Refertilisierung ist im Vergleich zur künstlichen Befruchtung das kostengünstigere und komplikationsärmere Verfahren. Ein weiterer Vorteil ist, dass durch die Refertilisierung die Zeugungsfähigkeit auf Dauer wiederhergestellt wird, sodass auch weitere Schwangerschaften ohne zusätzliche Behandlungen beider Partner möglich sind.

Erneute Refertilisierungs-Operation

Sollte bei Ihnen bereits der erfolglose Versuch einer Refertilisierungsoperation (operative Verbindung der Samenleiter nach vorangegangener Vasektomie) durchgeführt worden sein, so kann dies mehrere Gründe haben:

  • Es wurde keine mikrochirurgische Technik angewandt
  • Der Operateur verfügte nicht über ausreichend Erfahrung, eine Refertilisierungsoperation durchzuführen
  • Die Ausstattung des OP-Saales mit den notwendigen Instrumenten und Materialien war nicht für einen so feinen und sensiblen Eingriff ausgelegt
  • Eine mangelhafte Durchblutung der neuen Verbindungsstelle der Samenleiter
  • Eine etwaige Vaso-Epididymostomie wäre notwendig gewesen, wurde aber nicht durchgeführt
  • Eine Refertilisierungsoperation konnte aus anderen Gründen nicht erfolgreich durchgeführt werden

Versierte Operateure können anhand des alten Operationsberichtes und einer eingehenden Untersuchung eine Problemlösung erarbeiten und je nach Befund eine erneute Refertilisierungsoperation durchführen.

Kontakt

Der Operationsverlauf

Während sich der Patient in Vollnarkose befindet, werden durch zwei Schnitte über beiden Hoden die Samenleiter freigelegt. Nach Entfernung der Samenleiterstümpfe wird eine Ejakulatprobe entnommen und sofort mikroskopisch untersucht. In den meisten Fällen sind hier Spermien (Samenzellen) zu sehen. Anschließend werden die Enden der beiden Samenleiter unter einem Operationsmikroskop mit teilweise über 20-facher Vergrößerung wieder verbunden. Zeigt sich während der Operation, dass das Samenleiterende, welches vom Nebenhoden kommt, keine Samenflüssigkeit transportiert, kann der Samenleiter, der von der Harnröhre kommt, mit einem Nebenhodenkanälchen verbunden werden.

Der Eingriff dauert ca. zwei Stunden und wird ambulant durchgeführt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Durchgängigkeitsrate nach erfolgreichem Eingriff bei über 95 Prozent liegt. Entscheidend für den Erfolg der Operation ist unter anderem die Erfahrung des Operateurs, da dies kein Standardeingriff der Urologie ist, sondern eine Operation, die hohes mikrochirurgisches Geschick und Erfahrung voraussetzt. Mehr zu den Erfolgsfaktoren

Vor und nach der Refertilisierungsoperation

Vor der Operation

Um einen erfolgreichen Eingriff gewährleisten zu können, sind einige Voruntersuchungen notwendig. Durch eine körperliche und eine Ultraschall-Untersuchung erhält der Operateur einen ersten Eindruck vom Operationsgebiet und kann auf diese Weise Komplikationen ausschließen. Eine Blutuntersuchung ist ebenso notwendig. Es wird u.a. ein Hormon (FSH) bestimmt, um zu erkennen, ob noch Spermien im Hoden produziert werden.

Vor der Operation dürfen Sie 4 bis 6 Stunden vorher nicht essen, trinken oder rauchen. Auf die Einnahme von blutverdünnenden Substanzen wie ASS sollte zehn Tage vor dem Eingriff verzichtet werden.

Nach der Refertilisierung

Nach der Operation gilt zunächst einmal: Drei Tage absolute Ruhe, Beine hoch legen und Hoden kühlen. Darüber hinaus sollten Sie eine enge Unterhose anziehen, damit die Hoden fest anliegen (so werden Schmerzen verhindert und der Heilungsprozess optimiert).

Darüber hinaus ist eine Krankschreibung von 7 Tagen bei Berufen mit leichter körperlicher Belastung und bei Berufen mit starker körperlicher Belastung von 14 Tagen erforderlich.

Nach 14 Tagen sind Sex und leichter Sport möglich. Mit Leistungssport sollten Sie erst wieder 6 Wochen nach der Operation beginnen.

Eine zu frühe Belastung kann zu Wundheilungsstörungen und damit zur Egalisierung des Eingriffes führen.

Bei uns sind Sie in guten Händen

Vor, während und nach der Operation befinden Sie sich in professionellen Händen. Unsere Mitarbeiter in der Andrologie sind überdurchschnittlich qualifiziert und gewährleisten gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern eine Patientenversorgung auf höchstem Niveau.

Nach der Operation stehen Ihnen Prof. Dr. Sommer und bei seiner Abwesenheit qualifizierte ärztliche Vertreter für Ihre Fragen und Wünsche zur Verfügung, ferner eine 24-Stunden-Hotline nach Ihrer Entlassung.

Sprechen Sie uns an für weitere Informationen.

Unser Team steht Ihnen für alle Ihre Fragen zur Verfügung. Rufen Sie uns gern an oder nehmen Sie den Kontakt per Mail oder über unser Kontaktformular auf. Kontakt

Wussten Sie, dass Sperma ein Gesundheitsmarker ist?

Es ist tatsächlich wahr: Anhand der Spermienzahl lässt sich so einiges erkennen – zum Beispiel, wie gesund ein Mann ist. So kann man zum Beispiel abschätzen, wie hoch das Risiko ist, an einer Herz-Kreislauferkrankung zu erkranken.

Dänische Kollegen haben in einer wissenschaftlichen Studie festgestellt, dass bei Männern mit einer Spermienkonzentration von weniger als 15 Millionen/ml eine um 50 Prozent erhöhte Chance besteht, erstmals im weiteren Leben stationär behandelt werden zu müssen als bei Männern mit mehr als 40 Millionen Spermien/ml. Zusätzlich konnten unsere dänischen Kollegen zeigen, dass auch die Wahrscheinlichkeit, wegen eines Herz-Kreislaufereignisses (Kardiovaskuläres Ereignis) stationär behandelt werden zu müssen, mit der Spermienanzahl korreliert. Bei einer Spermienkonzentration von weniger als 15 Millionen/ml erhöht sich das Risiko um etwa 40 Prozent. Und: Männer mit Spermienzahlen von mehr als 200 Millionen/ml haben – im Vergleich zu Männern mit niedriger Spermienzahl – ein wesentlich geringeres Risiko, in den nächsten Jahren wegen internistischer Erkrankungen (Herz-Kreislauferkrankungen) stationär ins Krankenhaus zu müssen.

Doch warum ist die Korrelation so groß? Eine schlechte Spermienqualität kann genetisch bedingt sein, vor allem aber spielen auch Lebensfaktoren eine Rolle. Rauchen und ein erhöhter Bauchumfang führen oftmals zu einer schlechteren Gesundheit –und eben auch zu einer Verschlechterung der Spermienkonzentration.