Gutartige Prostatavergrößerung

Die gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie) ist ein Krankheitsbild, das über 50 % der Männer über 60 Jahre betrifft.

Die Ursachen für die Entstehung einer gutartigen Prostatavergrößerung (auch benigne Prostatahyperplasie, kurz: BPH oder benignes Prostatasyndrom, kurz: BPS genannt) sind im Detail noch unklar. Es wird unter anderem ein gestörtes hormonelles Zusammenspiel von männlichen und weiblichen Hormonen angenommen, zumal die Vergrößerung der Prostata in eine Lebensperiode absinkender Testosteron-Plasmaspiegel fällt. Es kommt vor allem zu einem Anwachsen der sogenannten ”Innendrüse”, wodurch die eigentliche Prostatadrüse nach außen verdrängt wird. Während eine normale Prostata die Größe einer Kastanie hat und ca. 20 Gramm wiegt, kann sie bei der gutartigen Prostatavergrößerung die Größe einer Apfelsine mit einem Gewicht von über 120 Gramm erreichen.

Untersuchungen bei Verdacht auf Prostatavergrößerung

Die Diagnose der Erkrankung ergibt sich durch die typischen Beschwerden mit langsam zunehmenden Problemen beim Wasserlassen und durch die ärztliche Untersuchung.

Ein Abtasten der Prostata (Vorsteherdrüse) mit dem Finger über den Enddarm durch einen Urologen ist unabdingbar, da auf diese Weise die Größe des Organs bestimmt und vor allem ein Prostatakrebs ausgeschlossen werden kann.

Eine wichtige und ebenfalls völlig harmlose Untersuchung ist die Messung des Harnstrahls und der Dauer des Wasserlassens (Uroflowmetrie). Normalerweise ist der männliche Harnstrahl bogenförmig und ca. bleistiftdick. In 20-30 Sekunden sollte die Blase entleert sein. Wesentlich ist die Bestimmung des Restharns (Urin, der nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt). Der Restharn wird sonographisch gemessen und beträgt normalerweise nicht mehr als 20 ml.

Weitere in Betracht kommende Untersuchungen, die ein Urologe durchführt, sind

  • sonographische Bestimmung der Prostatagröße
  • radiologische Untersuchung des Kontrastmittelabflusses über Nieren und Harnleiter (Urogramm)
  • radiologische Darstellung der Harnröhre (Urethrozystogramm)
  • Blutabnahme (informiert über die Funktion der Nieren und gibt Aufschluss über spezielle Prostatawerte (PSA))

Behandlungsmöglichkeiten bei gutartiger Prostatavergrößerung

Im Frühstadium sind durch pflanzliche Medikamente (beispielsweise Kürbiskernextrakte, Brennesselextrakte) und Änderung der Lebensweise (z.B. Meiden von Kälte, Alkohol sowie Gewichtsabnahme) gute Erfolge zu erzielen. Es kommt zwar nicht zu einer wesentlichen Verkleinerung der Prostata, jedoch vermindern sich meist die Beschwerden und die Häufigkeit des Wasserlassens. Die pflanzlichen Medikamente und die Änderung der Lebensweise stellen wesentliche Säulen der Frühbehandlung dar.

Neuere Medikamente (z.B. a-Blocker, 5-alpha-Reductase-Hemmer) beeinflussen auf verschiedenen „hormonellen“ Wegen die Prostata und erzielen in den Frühstadien ebenfalls gute Erfolge bei der gutartigen Prostatavergrößerung (auch BPH oder BPS). Die Behandlung sollte immer unter ärztlicher Kontrolle stattfinden und ist vor allem bei einer noch nicht zu weit fortgeschrittenen Prostatavergrößerung sinnvoll.

Eine regelmäßige Kontrolle des Harnstrahls und des Restharn sind jedoch unbedingt notwendig. Bei Restharmengen über 100 ml sowie häufigen Infekten, Harnverhalt oder einer Harnstauung mit Beteiligung der Nieren ist eine operative Therapie vorzunehmen. Mehr zur Operation erfahren Sie hier

BPH? Prostatakarzinom? Was ist der Unterschied?

Hierbei handelt es sich um zwei ganz unterschiedliche Erkrankungen. BPH steht für eine benigne Prostatahyperplasie, also eine gutartige Prostatavergrößerung. „Benigne“ bedeutet, dass die Zellen harmlos sind – also keine Tumorzellen. Typische Begleitsymptome: häufiges Wasserlassen, mehrmaliges nächtliches Urinieren, schwacher Harnstrahl, Nachträufeln. Das ist zwar unangenehm, bedeutet aber keinen Tumor!

Ein Prostatatumor (Prostatakarzinom) hingegen läuft häufig ohne diese Symptome ab, was kann mitunter fatal sein kann. Daher sind entsprechende Untersuchungen wichtig. Sprechen Sie gern hierzu Ihren betreuenden Arzt an.

Männer, die Schwierigkeiten beim Urinieren haben und/oder häufig zur Toilette müssen, leiden zumeist auch unter LUTS (= Lower urinary tract symptoms). LUTS treten häufig als Begleiterscheinung der  BPH auf. Bei ihnen wächst das Prostatagewebe nach innen, so dass die Harnröhre (Urethra) zusammengedrückt wird.

Ziehen 5-alpha-Reductase-Hemmer sexuelle Probleme nach sich?

5-alpha-Reductase-Hemmer (5ARI = 5-alpha-Reductase Inhibitoren) werden zumeist bei vergrößerter Prostata eingesetzt, aber auch bei Androgenetischer Alopezie (AGA), der genetischen Form des männlichen Haarausfalls. Oftmals werden hier Dutasterid oder Finasterid verwendet. Dass in der Folge vermehrt Sexualitätsprobleme auftreten, gilt als wahrscheinlich. Wissenschaftliche Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass Männer, die die Medikamente zur Therapie einer vergrößerten Prostata einnehmen, häufig sexuelle Probleme haben. Insbesondere die erektile Dysfunktion (ED), eine niedrige Libido, aber auch Schwierigkeiten bei der Ejakulation können auftreten. Männer, die die Medikamente über einen langen Zeitraum einnehmen (ein Jahr oder länger) leiden vergleichsweise häufig unter den unerwünschten Nebenwirkungen. Einige wissenschaftliche Publikationen über besonders lang andauernde Erektionsstörungen kommen sogar zu dem Schluss, dass selbst nach dem Absetzen der 5ARI noch Probleme auftreten können. In diesem Fall spricht man vom Post-Finasterid-Syndrom (PFS). Wichtig zu wissen: Auch eine gutartige Prostatavergrößerung geht oftmals mit Sexualitätsproblemen einher. Diagnose von Erektionsproblemen

Hat eine vergrößerte Prostata (BPH) einen Einfluss auf die sexuelle Performance?

Studien haben gezeigt, dass Veränderungen der Prostata sowohl einen Einfluss auf die erektile Funktion als auch auf die Ejakulation haben können. Betroffene Männer leiden also häufiger unter einer erektilen Dysfunktion (ED) oder Ejakulationsstörungen.

Aber nicht nur die Grunderkrankung kann einen negativen Effekt auf die Sexualität haben, sondern auch deren Therapie. Bei der medikamentösen Therapie mit 5-alpha-Reduktase Hemmern berichten Patienten häufig über Erektionsstörungen und eine Reduktion ihrer Libido. Bei der Verwendung von Alpha-Blockern berichten Männer, dass es zu Ejakulationsschwierigkeiten bis hin zur retrograden Ejakulation kommen kann. Dabei gelangt das Ejakulat in die Blase, es wird also nicht nach vorn zum Penis transportiert.

Bei operativen Verfahren – wie etwa bei der Lasertherapie – können ebenfalls Erektionsstörungen oder auch eine retrograde Ejakulation auftreten. Patienten, die eine TURP (Transurethrale Resektion der Prostata) oder eine TUIP (Transurethrale Inzision der Prostata) erhielten, haben meistens auch eine retrograde Ejakulation. Normalerweise ist es nicht weiter schlimm, wenn das Ejakulat beim Orgasmus in die Blase wandert. Probleme entstehen nur, wenn ein Kinderwunsch besteht. Viele Männer lernen langfristig damit umzugehen und einen trockenen Orgasmus zu haben. Das Gefühl bleibt dabei normalerweise nicht auf der Strecke.  

Wichtig ist jedoch, dass betroffene Männer mit ihrem behandelnden Arzt im Vorfeld alle möglichen therapeutischen Optionen durchgehen – inklusiver alle Wirkungen und Nebenwirkungen.

Bedeutet eine vergrößerte Prostata ein höheres Prostatakarzinom-Risiko?

Einige wissenschaftliche Studien haben dieses angedeutet, größere Studien zum Thema für einen fundierten Beweis gibt es allerdings noch nicht. Daher würde ich diesbezüglich eher Entwarnung geben.

Bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom wird in der Regel eine Biopsie durchgeführt. Unter dem Mikroskop lässt sich erkennen, ob es sich um einen Tumor handelt und wie dieser histologisch eingestuft wird – eine wichtige Grundlage für das weitere therapeutische Vorgehen.

Viele Männer mit einer vergrößerten Prostata haben Sorge, einen Prostatatumor zu entwickeln. In einigen Fällen ist es tatsächlich so, dass sie einen Tumor bekommen. Einen wissenschaftlichen Beweis bzw. Anhaltspunkt dafür gibt es allerdings nicht. Bei entsprechendem Verdacht sollte man sich aber auf jeden Fall an den Arzt seines Vertrauens wenden und die Sachlage klären.

Sollten Männer mit einer vergrößerten Prostata bestimmte Medikamente meiden?

Betroffene Männer sollten keine Medikamente einnehmen, die Antihistaminika (Substanzen, die Histamin-Rezeptoren im Körper binden und dadurch die eigentliche Histaminwirkung abschwächen) oder Dekongestiva (Arzneistoffe, denen eine abschwellende Wirkung nachgesagt wird) enthalten. Beide Substanzen sind in vielen rezeptfrei Medikamenten zu finden. Sie werden z.B. zur Therapie einer Erkältung oder von allergischen Reaktionen eingesetzt.

Aufgrund einer vergrößerten Prostata bekommen viele Männer Schwierigkeiten beim Urinieren. Der Harnstrahl wird schwächer oder es bleiben größere Mengen an Urin in der Blase zurück, so dass Betroffene häufig auf die Toilette gehen müssen. Teilweise stehen sie nachts mehrmals. Ebenso kann ein plötzlicher Harndrang entstehen: Männer müssen dann unverzüglich auf die Toilette.

Antihistaminika und Dekongestiva können diese Probleme forcieren. Männer mit einer Erkältung oder Allergie haben sollten sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen und mit ihm besprechen, welche die bestmögliche therapeutische Option für sie ist, um die Medikationen zu meiden.

Die Kombination von Dutasterid und Tamsulosin kann sexuelle Nebenwirkungen auslösen

Männer mit einer gutartig vergrößerten Prostata (BPH = Benigne Prostatahyperplasie) entwickeln häufig Probleme mit dem Wasserlösen (LUTS = Lower Urinary Tract Symptoms). Bei mittelgradiger bis sehr starker Ausprägung verschreiben viele Ärzte eine fixe Kombinationstherapie von Dutasterid und Tamsulosin (DUT-TAM FDC). Doch die Therapie kann unangenehme Nebenwirkungen zeigen. Genauer gesagt: Ejakulationsstörungen. Dies hat eine neue Studie verdeutlicht.

Anhand des MSHQ (Male Sexual Health Questionnaire) wurden unter anderem die Einflüsse der medikamentösen Therapie auf die Erektion, Ejakulation, die sexuelle Aktivität und Befriedigung erfasst. Die Patienten, deren mittleres Alter bei 65 Jahren lag, erhielten über 12 Monate eine Therapie mit der Kombination von Dutasterid und Tamsulosin bzw. mit einem Plazebo (Scheinmedikament). Das Ergebnis der Studie: Die Männer, die die Medikamente einnahmen, klagten im Gegensatz zur Plazebo-Gruppe über eine signifikante Verschlechterung ihrer sexuellen Funktion. Probleme zeigten sich vor allem beim Ejakulieren. Demgegenüber stand eine verbesserte Lebensqualität bezüglich der Prostata-Symptomatik.

Empfehlung: Patienten, die die entsprechenden Nebenwirkungen nicht hinnehmen wollen, sollten ihre Therapie beim Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen nicht einfach abbrechen. Ratsamer ist es, mit dem behandelnden Arzt Alternativen abzuklären.

 

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