PSA-Wert – Erkrankungen der Prostata frühzeitig erkennen

Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, um bestimmte Krankheiten ausschließen oder zumindest frühzeitig erkennen zu können. Männer ab dem 40.Lebensjahr sollten zum Beispiel regelmäßig den sogenannten PSA-Wert bei sich bestimmen lassen. Dieser gilt als wichtiges Indiz, um einen möglichen Tumor an der Prostata (Prostatakrebs/Prostatakarzinom) zu entdecken.

Prof. Sommer im OP

Man sollte aber auch wissen, dass das PSA-Screening in den vergangenen Jahren etwas in Kritik geraten ist. So kam der Vorwurf, dass es mitunter zu einer Überdiagnose und in der Folge zu einer Übertherapie des Patienten kommen kann. Demgegenüber stehen jedoch zahlreiche Studien – beispielsweise die renommierte ERSPC (die Abkürzung steht für „European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer“) -, die aufzeigen konnten, dass regelmäßige Untersuchungen des PSA-Werts die Sterblichkeit bei Männern an Prostatakrebs senken.

Kleiner Pieks mit großer Aussagekraft

Um den PSA-Wert zu bestimmen, ist lediglich ein kleiner Pieks für eine Blutentnahme erforderlich. Die Aussagekraft dieser Vorsorgeuntersuchung ist dafür umso größer. Grundsätzlich gilt: Ein erhöhter PSA-Wert muss als Alarmzeichen ernst genommen werden. Aber: Es muss nicht automatisch der Hinweis auf einen Tumor sein. So können auch diverse andere Erkrankungen oder Irritationen im Bereich der Prostata der Auslöser sein. Immerhin handelt sich bei diesem inneren Geschlechtsorgan des Mannes um eine sehr sensible Körperregion. Aufgrund ihrer besonderen Bedeutung sollte jeder Mann ein Interesse an einer gesunden und voll funktionsfähigen Prostata haben. 

PSA – was bedeutet das?

Die Abkürzung PSA steht für prostataspezifisches Antigen. Dabei handelt es sich um ein Enzym, das in der Prostata gebildet wird. Es hat die Aufgabe, das Sekret der Prostata zu verflüssigen. Das Prostatasekret wiederum ist Teil der männlichen Samenflüssigkeit (Ejakulat). Das bedeutet: Ist eine Prostata nicht in der Lage, gutes Sekret abzugeben, kann sich das negativ auf die Fruchtbarkeit des Mannes auswirken. Denn ohne ausreichend Samenflüssigkeit können die Spermien nicht von den Hoden in Richtung Penis und Eichel transportiert werden.

Gemessen wird beim PSA-Wert der Anteil des prostataspezifischen Antigens in Nanogramm pro Milliliter Blut. Bei einem gesunden Mann liegt er idealerweise zwischen 0 und 1. Ab einem PSA-Wert von 2 hängt das weitere Vorgehen auch vom Alter des jeweiligen Mannes ab: Bei jüngeren Männern sollten sofort weitere Untersuchungen erfolgen; bei älteren Männern kann es ausreichen, den PSA-Wert fortan in einem einjährigen Turnus zu ermitteln, um etwaige weitere Erhöhungen im Auge zu behalten.

Prostata – welche Funktion hat sie?

Die Prostata, die sich unterhalb der Harnblase befindet und auch als „Vorsteherdrüse“ bezeichnet wird, ist zwar nur ungefähr so groß wie eine Kastanie, doch im Körper eines Mannes kommt ihr eine enorme Bedeutung zu. Weil die Prostata einen Teil der Harnröhre umschließt, machen sich Veränderungen – allen voran eine Vergrößerung der Prostata – sofort in Schmerzen beim Wasserlassen oder auch beim Sex bemerkbar.

Apropos Sex: Kommt es beim Mann zu einem Samenerguss, ziehen sich die Muskeln der Prostata zusammen. Die zuvor produzierten Sekrete werden dadurch in die Harnröhre gedrückt. Ohnehin treffen sich rund um die kleine Prostata die Harn- und die Samenwege – ein weiterer Grund also, mögliche Veränderungen in diesem Bereich ernst zu nehmen. Denn je später die Behandlung einer Prostata-Erkrankung erfolgt, desto umfangreicher kann der notwendige Eingriff sein – und dies hat dann mitunter Folgen für den gesamten Harnröhren- und Samenleiterstrang.

Prostata – wichtig für die Zeugungsfähigkeit des Mannes

Es sei zur Verdeutlichung und Sensibilisierung noch einmal gesagt: Im Körper eines Mannes spielt die Prostata – neben den Hoden – die wichtigste Rolle bei der Fortpflanzung. Für eine voll funktionsfähige Prostata ist vor allem das männliche Geschlechtshormon Testosteron verantwortlich. Ist im Körper zu wenig Testosteron vorhanden, besteht die Gefahr, dass die Prostata kein oder nur unzureichend Sekret bilden kann.

Testosteron und andere Hormone sind auch für die Größe der Prostata zuständig. Lange Zeit hatte man geglaubt, dass Testosteron für die Ausbildung eines Prostatakarzinoms verantwortlich sei. Die aktuellen wissenschaftlichen Studien aus den vergangenen fünf Jahren zeigen aber genau das Gegenteil! Ein guter Testosteronwert kann demnach sogar protektiv sein, also schützend wirken. Vorsicht ist nur dann geboten, wenn sich bereits ein Prostatakarzinom gebildet hat. In diesem Fall kann Testosteron das Wachstum des Prostatakarzinoms weiter anregen. 

Prostata – welche Erkrankungen sind möglich?

Wird bei einem Mann ein erhöhter PSA-Wert festgestellt, wird jeder Art weitergehende Untersuchungen einleiten. Schließlich gilt es herauszufinden, warum der Anteil des prostataspezifischen Antigens im Blut zu hoch ist. Zunächst dürfte das Augenmerk auf ein mögliches Prostatakarzinom gelegt werden. Denn von einem tumorerkrankten Prostatagewebe wird bis zu zehn Mal mehr prostataspezifisches Antigen produziert und ausgeschüttet als von einem gesunden. Außerdem handelt es sich beim Prostatakarzinom nun einmal um die Art von Krebserkrankung, von der Männer am häufigsten betroffen sind – noch vor Darm- und Lungenkrebs. Zur Risikogruppe für Prostatakrebs gehören vor allem Männer ab dem 50.Lebensjahr. 

Das Tückische am Prostatakrebs ist, dass er im Anfangsstadium keinerlei Symptome verursacht. Das heißt: Er bleibt häufig unentdeckt. Doch je weiter eine Tumorerkrankung an der Prostata bereits fortgeschritten ist, desto umfangreicher und auch schwieriger wird eine Behandlung. Deshalb gilt eine regelmäßige Überprüfung des PSA-Werts als sehr sinnvolle Vorsorgeuntersuchung beziehungsweise als Untersuchung zur Früherkennung. Ein erhöhter PSA-Wert muss aber nicht eine Krebserkrankung als Auslöser haben.

Weit verbreitet bei Männern im zunehmenden Alter ist eine gutartige Prostatavergrößerung, auch Prostatahyperplasie genannt. Dadurch, dass die Prostata die Harnröhre umschließt, führt eine Prostatavergrößerung sehr häufig zu Schmerzen beim Wasserlassen. Ebenso ist ein vermehrter Harndrang – auch nachts! – eine unangenehme Begleiterscheinung. Beschwerden beim Geschlechtsverkehr werden zwar eher selten von einer vergrößerten Prostata verursacht. Wissenschaftliche Studien haben allerdings gezeigt, dass es sehr wohl einen Zusammenhang zwischen einer Störung beim Wasserlassen und einer Erektilen Dysfunktion (ED, Impotenz) gibt. Von einer vergrößerten Prostata wird auch vermehrt das prostataspezifische Antigen produziert und ausgeschüttet, was dann einen erhöhten PSA-Wert zur Folge hat.

Auch junge Männer können von einer Prostataentzündung (Prostatitis) betroffen sein. Sie wird in der Regel durch Bakterien verursacht, die sich beispielsweise über die Harnröhre einen Weg in die Prostata suchen. Auslöser kann eine Vorhautverengung sein oder auch eine mangelnde Penis-Hygiene. Ein weiterer Risikofaktor ist Sex mit häufig wechselnden Partnern. Ähnlich wie bei einer gutartigen Prostatavergrößerung kommt es auch bei einer Prostatitis sehr häufig zu Schmerzen beim Wasserlassen. Auch Fieber kann ein Symptom sein.

Es ist nicht auszuschließen, dass es für einen erhöhten PSA-Wert auch eine ganz harmlose Erklärung gibt. So nehmen viele Männer Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel ein, um sich vor einer gutartigen Prostatavergrößerung zu schützen. Unabhängig von der Frage, ob solche Mittel etwas bringen: Was sie auf jeden Fall können, ist Einfluss nehmen auf den PSA-Wert. Bei der Ermittlung des PSA-Werts sollte aber nicht nur die aktuelle Medikation des zu untersuchenden Mannes beachtet werden. So können auch diverse Aktivitäten in den vergangenen 24 Stunden Einfluss nehmen. An erster Stelle ist hier ein Samenerguss zu nennen. Aber auch Radfahren kann das Ergebnis verfälschen. Und zwar deshalb, weil beim Radfahren der gesamte Unterleib und damit auch die Prostata einem Druck ausgesetzt ist. 

Prostata-Erkrankungen: Warum frühzeitiges Erkennen so wichtig ist

Viele Faktoren spielen eine Rolle, wenn über die konkrete Behandlung eines Prostatakarzinoms entschieden wird. So kommt es unter anderem auf die Größe und auch die Aggressivität des Tumors ebenso an wie auf das Alter und die sonstige gesundheitliche Verfassung des Patienten. Denkbar ist sowohl eine Bestrahlung, mit deren Hilfe der Tumor zurückgedrängt wird, als auch ein operativer Eingriff, bei der die Prostata entfernt werden muss.

Doch selbst wenn eine Heilung in den meisten Fällen möglich ist, gilt leider auch die Grundformel: Je größer der Eingriff, desto schwerwiegender können Folgeschäden und Nebenwirkungen sein. So klagen viele Männer nach einer Prostatabehandlung insbesondere über Erektionsstörungen (Erektile Dysfunktion, Impotenz) und/oder manchmal auch über Harninkontinenz.

Mit Blick darauf erscheint es umso wichtiger, ein mögliches Prostatakarzinom – oder auch jede andere Erkrankung der Prostata – möglichst frühzeitig zu erkennen. Die regelmäßige Ermittlung des PSA-Werts in Kombination mit einer spezifischen Untersuchung (digitorektale Untersuchung und transrektaler Ultraschall/TRUS) bietet dafür eine gute und unkomplizierte Möglichkeit. Und in den Händen von erfahrenen Untersuchern sind diese Untersuchungen in der Regel auch absolut schmerzlos.

Zurück zur bei alleiniger Testung des PSA-Wertes: Bewegt sich der PSA-Wert im Normalbereich, darf dies beruhigend zur Kenntnis genommen werden. Wird ein fürs jeweilige Alter zu hoher PSA-Wert ermittelt, sollten weitere Untersuchungen zeitnah Klarheit über die konkrete Ursache bringen. 

Ermittlung des PSA-Werts: Scheu und Vorurteile

Obwohl die Ermittlung des PSA-Werts nicht aufwendig ist, stehen manche Männer dieser Vorsorgeuntersuchung mit einer gewissen Scheu gegenüber. Diese Scheu liegt oft in der Furcht vor einer möglichen „Überdiagnose“ begründet. Von einer Überdiagnose wird grundsätzlich immer dann gesprochen, wenn eine Erkrankung festgestellt wird, die ohne Untersuchung gar nicht entdeckt worden wäre – weil die Erkrankung keinerlei Symptome verursacht und weil sie möglicherweise auch in der Folge ohne negative Auswirkungen geblieben wäre.

Im Falle der Ermittlung des PSA-Werts könnte eine Überdiagnose bedeuten, dass zwar ein Tumor festgestellt wird. Doch möglicherweise ist dieser Tumor so klein und so langsam wachsend, dass ein Mann in einem bestimmten Alter auch ohne Behandlung recht problemlos damit weiterleben kann. Wird die Behandlungsmaschinerie aber erst einmal in Gang gesetzt, drohen - etwa durch eine Bestrahlung – die besagten Nebenwirkungen wie eine Harninkontinenz.

Jeder Patient und jedes mögliche Krankheitsbild muss deshalb individuell betrachtet werden. Wichtig ist ein offener und vertrauensvoller Austausch mit einem erfahrenen Arzt.

Wer bezahlt einen PSA-Bluttest?

Fachgesellschaften haben dem gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bezüglich der Bewertung des „Prostatakrebs-Screenings mittels Bestimmung des PSA“ empfohlen, den PSA-Wert zum Screening zu befürworten.  Am 17. Dezember 2020 hat der gemeinsame Bundesausschuss entschieden, dass der PSA-Bluttest nicht Teil der gesetzlichen Prostatakrebs-Früherkennung ist. Wer einen PSA-Bluttest möchte, muss diesen selbst bezahlen (Selbstzahler-Leistung). Der gemeinsame Bundesausschuss hat sich der Meinung und Bewertung der IQWiG angeschlossen. Man hat Sorge, dass zu viele falsch-positive Ergebnisse bei der Blutuntersuchung herauskommen und dementsprechend eine Überdiagnostik entstehen könnte. Insbesondere da das Prostata Karzinom ein langsam wachsender Tumor ist. Ganz wichtig ist hier zu erwähnen, dass bei Männern, die eine hormonelle Substitutionstherapie mit Testosteron erhalten, nach internationalen Richtlinien, regelmäßige PSA-Wert-Bestimmungen durchgeführt werden müssen. Das gleiche gilt auch bei Männern, die ein Risikoprofil aufweisen, insbesondere bei familiärer Häufung von Prostata Karzinomen. 

Prostata – wie kann ich ihr etwas Gutes tun?

Mit einer ausgewogenen Ernährung kann auf sehr einfache Weise ein wichtiger Beitrag für eine gesunde Prostata geleistet werden. Positiv wirken sich vor allem Ballaststoffe aus, wie sie beispielsweise durch Vollkornprodukte, Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchte geliefert werden. Ebenfalls zu empfehlen sind Trockenfrüchte. Der Verzehr von Fleisch sollte nicht übermäßig erfolgen. Als Alterative bietet sich Fisch (vor allem Lachs, Forelle und Sardine) an, weil er ungesättigte Fettsäuren enthält. 

Referenz: ERSPC: http://www.erspc.org/ (last accessed on 18 September 2017).

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