Die nächtliche Erektion - Warum sie so wichtig ist

Völlig normal: Nächtliche Erektionen (Nocturnal penile tumescence / NPT).

Das männliche Geschlechtsorgan

Diese Form der Erektion tritt während des Schlafens auf – und zwar während der gesamten Lebensspanne des Mannes. Nächtliche Erektionen sind etwas völlig Normales, durch sexuelle Stimulation werden sie jedoch nicht ausgelöst.

Wie viele nächtliche Erektionen hat ein Mann?

Üblicherweise haben Männer während einer achtstündigen Schlafperiode zwischen drei bis sechs Erektionen. Teilweise kann eine einzige Erektion mehr als 30 Minuten lang anhalten.

Wann treten sie auf?

Die nächtlichen Erektionen sind vom „Schlafzirkel“ des Mannes abhängig. Der Schlaf eines Erwachsenen wird in zwei verschiedene Phasen unterteilt: den Non-REM-Schlaf, zu dem der Leicht- und Tiefschlaf zählen, und den REM-Schlaf, der auch Traumschlaf genannt wird. Die Phasen werden über die Augenbewegung definiert. Dabei ist REM die Abkürzung für Rapid Eye Movement (übersetzt: schnelle Augenbewegungen).

Es gibt also Phasen, in der die Augen sich ganz schnell bewegen und Phasen, in der die Augen still stehen. Der Schlaf beginnt immer mit einer Nicht-REM-Phase. Diese ist dann gefolgt von einer REM-Phase. Beide Phasen wechseln sich während der Nacht permanent ab.

Die nächtlichen Erektionen treten in den REM-Phasen auf. Während der REM-Phasen sinkt der Level des im Gehirn produzierten Neurotransmitters Norepinephrin. Dadurch fließt mehr Blut in den Penis, was unter anderem zu den nächtlichen Erektionen führt.

Komplett geklärt ist dieser physiologische Ablauf noch nicht. Aber man weiß, dass die nächtlichen Erektionen extrem wichtig sind, um die Gesundheit des Penis aufrecht zu erhalten. Denn während der nächtlichen Erektionen wird „gutes“ Gewebe aufgebaut – und damit eine gute Infrastruktur, die für Erektionen entscheidend ist.

Und die „Morgenlatte“?

Die sogenannte „Morgenlatte“ bzw. die Morgenerektion ist die letzte der nächtlichen Erektionen. Sie tritt beim Aufwachen nach einer REM-Phase auf. Wenn ein Mann morgens feststellt, dass sein Penis vor ihm aufgestanden ist, ist das kein Grund zur Scham. Denn die morgendliche Erektion ist absolut normal.

Lange Jahre ist man in der Wissenschaft davon ausgegangen, dass die morgendliche Erektion ein Indikator dafür ist, dass bei einem Mann mit Erektionsschwäche keinerlei organische Störung vorliegt. Diese Sichtweise hat sich inzwischen geändert. Heute weiß man: Eine morgendliche Erektion – und selbst eine morgendliche Erektion, die in der Lage zu sein scheint, eine Penetration durchzuführen – ist kein Garant dafür, dass nicht schon leichte organische Störungen vorhanden sind. Organische Störungen können sich beispielsweise in Form von Durchblutungsveränderungen oder Veränderungen in der Zusammensetzung (also der Infrastruktur) des Penis zeigen. Zudem ist es möglich, dass erhöhte Abflüsse aus dem Schwellkörper auftreten.

Können betroffene Männer mit der morgendlichen Erektion eine Penetration vollziehen, ist dies ein sehr sicheres Zeichen dafür, dass eher psychogene Störungen bei einer Erektilen Dysfunktion vorliegen. Genau bestimmen lässt sich das nur, indem die Anzahl nächtlicher Erektionen, ihre Intensität und Dauer beispielsweise mit einem RigiScan gemessen werden. Zu diesem Zweck werden zwei Messschlaufen direkt hinter der Eichel und an der Peniswurzel angebracht. Das dazugehörige Steuergerät wird mithilfe einer Beintasche direkt am Oberschenkel platziert. Es zeichnet alle nächtlichen Erektionen auf, die durch die Dehnung der Messschlaufen beim Füllen der Schwellkörper dokumentiert werden. Die gesammelten Daten wertet der behandelnde Arzt aus. Sollte die „Morgenlatte“ bei diesen Messungen Top-Werte zeigen, ist davon auszugehen, dass muskuläre oder nervliche Ursachen praktisch ausgeschlossen werden können, also kein organischer Schaden des Penis vorliegt.

Warum nächtliche Erektionen wichtig sind

Durch die nächtlichen Erektionen wird eine sehr gute Sauerstoffversorgung des Penisgewebes hergestellt. Dies wirkt dem Alterungsprozess des Penis entgegen.

Warum braucht der Penis Sauerstoff? 

Um zu verstehen, warum ein Penis für seine erektile Funktionsfähigkeit auf eine regelmäßige Zufuhr von Sauerstoff angewiesen ist, muss man sich zunächst die Struktur dieses Körperteils anschauen: Beim Penis handelt es sich um einen Schwellkörper; also um ein Geflecht aus Gefäßen, dass sich je nach Blutzufuhr ausdehnen kann. Besonders viel Blut wird dem Schwellkörper immer dann zugeführt, wenn eine sexuelle Erregung und/oder Stimulation erfolgt – in Kombination damit, dass in einem solchen Erregungszustand auch deutlich weniger Blut aus dem Penis abfließt, findet eine Verhärtung des Schwellkörpers statt.

Die einzelnen Gefäße im Schwellkörper besitzen wiederum viele kleine Muskelzellen. Hier drängt sich ein Vergleich mit dem Herz auf: Während bei diesem Organ allgemein bekannt ist, dass eine gute Sauerstoffversorgung wichtig ist, um den Herzmuskel fit und gesund zu halten, wird das beim Penis oft noch viel zu wenig beachtet. Dabei ist das Prinzip dasselbe: Die Muskelzellen in den Schwellkörpern benötigen Sauerstoff – andernfalls droht eine Rückbildung beziehungsweise das Bindegewebe gewinnt im Schwellkörper die Oberhand. Das kann zur Folge haben, dass der gesamte Penis weniger elastisch und dehnungsfähig wird. Erektionen werden dadurch erschwert. Im schlimmsten Fall führt eine mangelnde Sauerstoffzufuhr zu Impotenz.

Beim Herz kann eine gute Versorgung mit Sauerstoff unter anderem mit Bewegung an der frischen Luft gewährleistet werden. Und beim Penis?! Die nächtlichen Erektionen, die hilfreich sind, können ja nicht beeinflusst werden und nehmen mit zunehmendem Alter leider auch kontinuierlich ab. Zu empfehlen ist deshalb gleich aus mehreren Gründen ein gezieltes Beckenbodentraining. Einige wenige Übungen am Tag reichen bereits, um die Sauerstoffzufuhr zu erhöhen. Doch Beckenbodentraining hat, was die Erektionsfähigkeit betrifft, noch einen weiteren positiven Effekt: Die Muskulatur im Schwellkörper wird gestärkt. Und zwar vor allem jene Muskeln, die während einer Erektion dafür sorgen sollen, dass der Abfluss des Bluts gestoppt oder zumindest verlangsamt wird.

Damit der Penis alt wird und trotzdem vital bleibt

Es ist ein echter Teufelskreis: Wenn Männer älter werden, nimmt die Zahl der nächtlichen Erektionen automatisch ab – die dadurch schlechter werdende Sauerstoffversorgung des Penis wirkt sich negativ auf die Potenz aus. Doch dieser Trend lässt sich stoppen, und dem natürlichen Alterungsprozess des Schwellkörpers kann entgegenwirkt werden. An erster Stelle ist auch hier Beckenbodentraining zu nennen. Im Alter kann dadurch nicht nur die so wichtige Sauerstoffzufuhr sichergestellt werden, sondern auch einer altersbedingten Inkontinenz vorgebeugt werden.

Ebenfalls ratsam: Eine Stärkung der Muskulatur in den Oberschenkeln! Denn diese kann sozusagen als Blut-Aufbereitungsstation für die benachbarten Gefäße im Penis dienen. Wenn die Oberschenkel sportlich belastet werden (etwa beim Radfahren oder Joggen), benötigen die dortigen Muskeln zusätzliches Blut; dieses wird grob gesagt aus dem Penis ausgeliehen und anschließend – in einem mit Sauerstoff kräftig aufgefrischten Zustand – wieder zurückgegeben.

Lassen sich nächtliche Erektionen messen (NPT-Test)?

In der Tat gibt es einen Test, mit dem sich aufzeigen lässt, wann und wie gut die Erektionen in der Nacht sind. In der Regel wird der sogenannte NPT-Test ambulant durchgeführt. Dabei befestigt man an Penis und Eichel Kabel. Die einzelnen Erektionen – ihre Anzahl, die Länge, der Härtegrad und die Intensität – werden dann über ein Gerät gemessen und aufgezeichnet, das in der Regel am Oberschenkel platziert wird. Die Messungen führt man durch, um beispielsweise festzustellen, welches Medikament für das nächtliche Schwellkörpertraining in welcher Dosis am besten für den Patienten geeignet ist. Darüber hinaus verwendet man die Messung manchmal für gerichtliche Gutachten – oder wenn man feststellen möchte, ob eine erektile Dysfunktion organische oder psychogene Ursachen hat.