Männer, geht zur Vorsorge - Vorsorgeuntersuchungen retten Leben

Alle gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland haben ein Recht auf verschiedene regelmäßige und größtenteils kostenlose Vorsorgeuntersuchungen, die schon am ersten Tag des Lebens, direkt nach der Geburt, beginnen. Das ist ein Luxus, um den die in der Bundesrepublik Lebenden von vielen Menschen anderer Länder beneidet werden. 

PSA Wert ErmittlungDie hiesigen Vorsorgeuntersuchungen konzentrieren sich im Wesentlichen auf Krankheiten, die gut zu behandeln sind, sofern sie früh erkannt werden. Hierzu zählen in erster Linie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tumore, sie gehören zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland.

Obwohl die Krankheits- und Krebsfrüherkennung bereits seit den 1970er Jahren zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen gehören, sind die Frauen teilweise echte Vorsorgemuffel. Noch seltener als sie gehen Männer zu den Vorsorgeuntersuchungen. Anscheinend scheint es sich immer noch nicht herumgesprochen zu haben, dass Vorsorgeuntersuchungeneine wichtige Voraussetzung dafür sind, gesund zu bleiben. Denn je eher Ärzte eine Krankheit diagnostizieren oder aber ein Krankheitsrisiko feststellen, desto besser sind die Heilungschancen für die Patienten.

Übrigens: Welche Untersuchungen bezahlt werden und ab welchem Alter, entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA). Das ist ein Gremium, in dem unter anderem Mediziner und Krankenkassen vertreten sind. Sie entscheiden auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, welche Leistungen die Kassen übernehmen.

Die wichtigsten Kassenleistungen für Männer im Überblick

Männer zwischen 18 und 34 Jahren

Zwischen dem 18. und dem 34. Lebensjahr Jahren zahlen die Krankenkassen eine einmalige Gesundheitsuntersuchung. Dabei werden folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Anamnese mit Fragen zu eigenen Vorerkrankungen sowie zu Erkrankungen innerhalb der Familie. Dazu zählen zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Erkrankungen des Herzens, der Nieren oder Lunge sowie Krebs
  • Überprüfung des Impfstatus
  • Körperliche Untersuchung inklusive Blutdruck-Messung
  • Sofern Übergewicht, Bluthochdruck oder familiäre Vorerkrankungen vorliegen, werden auch die Blutfettwerte und der Nüchternblutzucker getestet
Männer ab 35 Jahren

Männern in diesem Alter 35 Jahren zahlen die gesetzlichen Krankenkassen alle drei Jahre eine Gesundheitsuntersuchung, den sogenannten Gesundheits-Check-up. Dieser umfasst folgende Untersuchungen:

  • Erhebung der Anamnese (s.o.)
  • Überprüfung des Impfstatus
  • Körperliche Untersuchung einschließlich Messung des Blutdrucks
  • Untersuchung bestimmter Blutwerte (Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyceride) und des Nüchternblutzuckers
  • Untersuchung des Urins (Harnstreifentest mit Bestimmung von Eiweiß, Glukose, roten und weißen Blutkörperchen sowie Nitrit)
  • Teil der Vorsorge sind außerdem diejährliche Zahnuntersuchungund die Kariesprophylaxe. Außerdem sind Männer im Alter ab 35 Jahren gut damit beraten, alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening durchführen zu lassen. Diese Untersuchung erfolgt mittels Sichtkontrolle durch den Hausarzt, vorzugsweise durch den Dermatologen (Hautarzt).
  • Schutzimpfungen und Nachimpfungen werden entsprechend der jährlich neu erscheinenden Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) durchgeführt. Ab dem 60. Lebensjahr empfiehlt diese derzeit die Impfung gegen Pneumokokken sowie eine jährlich zu wiederholende Grippeschutzimpfung. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen. Dennoch sind vor allem die Männer Impfgegner!

Männer ab 45 Jahren

Für den Mann ab dem 45. Lebensjahr kommen zu den genannten regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen noch weitere hinzu. Im Zentrum der Untersuchungen steht dann vor allem die Krebsfrüherkennung. Denn mit zunehmendem Alter treten vergleichsweise häufig Darmkrebs und Prostatakrebs auf. Dazu besteht ein zunehmendes Risiko für Stoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere für Herzinfarkt und Schlaganfall. Folglich können Männer ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich ihre Prostata untersuchen lassen. Die Prostatakarzinomvorsorgeumfasst die Inspektion des äußeren Genitals, die digital-rektale Tastuntersuchung der Prostata sowie das Abtasten der Leistenlymphknoten. Die Untersuchung führen Urologen durch.

Auch die Darmkrebsvorsorge, die ab dem 50. Lebensjahr durch die Kassen übernommen wird, sollten Männer sehr ernst nehmen. Bei der Untersuchung werden der Enddarm und das Rektum abgetastet. Zudem wird in diesem Alter jährlich eine Untersuchung auf verstecktes (okkultes) Blut im Stuhl angeboten. Dazu wird ein immunologischer StuhltestiFOBT) durchgeführt. Und schließlich macht es Sinn, dass Männer ab 50 zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren durchführen lassen.

Gut zu wissen: Die meisten Tumoren treten nicht urplötzlich auf, sondern entwickeln sich meistens über Jahrzehnte hinweg. Männer zwischen 20 und 35 Jahren sind zum Beispiel besonders von Hodenkrebs gefährdet. Es gibt also gute Gründe, die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrzunehmen.

Selbstzahler-Leistungen (iGeL-Leistungen)

Über die Kassenleistungen hinaus gibt es noch viele weitere Angebote zu Vorsorgeuntersuchungen, für die die Kosten zumeist selbst übernommen werden müssen. Ob die privaten Krankenkassen die entstehenden Kosten übernehmen, muss individuell geklärt werden. Unter den vielen Angeboten sind nicht alle empfehlenswert. Folgende Zusatzangebote können jedoch Sinn machen, weil sie einen Mehrwert für die individuelle Vorsorge darstellen. Das zeigen Studien und die entsprechenden Empfehlungen der jeweiligen Fachgesellschaften. Zum erweiterten Gesundheits-Check-Up ab 35gehören folgende Untersuchungen.

... beim Hausarzt

  • Ultraschalluntersuchung
  • zusätzliche Laboruntersuchungen, z.B. Tumormarker, Arteriosklerosefaktoren
  • Schilddrüsenwerte sowie Herz-Kreislauf-Check mit Belastungs-EKG
  • Lungenfunktion
  • Langzeit-Blutdruckmessung und Langzeit-EKG 


... beim Facharzt für Innere Medizin und Kardiologen

  • In einigen Fällen kann ein Herz-Check ratsam sein. Dies betrifft hauptsächlich Männer, die keinen Sport treiben, funktionelle Herzbeschwerden haben, stark rauchen, übergewichtig oder permanent im Stress sind. Der Test umfasst unter anderem einen Ruhe- und Belastungs-EKG, eine Ultraschalluntersuchung mit Doppler- und Farbduplex-Sonographie des Herzens und der Herzklappen, eine Langzeit-Blutdruckmessung sowie ein Langzeit-EKG. Im Blut werden zusätzliche Stoffwechselparameter bestimmt.
  • Darüber hinaus gibt es für Männer ab 65 Jahren eine einmalige Vorsorgeuntersuchung für das Bauchaortenaneurysma. Und der sogenannte Knöchel-Arm-Index (ABI) dientzur Früherkennung einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAV). Sie wird insbesondere älteren Patienten, Bluthochdruck-Patienten, bei chronisch erhöhten Blutfettwerten sowie bei familiärem Risiko für Gefäßstörungen empfohlen. 

  • Der Schlaganfall-Checkist eine umfassende Untersuchung von Gefäßveränderungen und Gefäßerkrankungen wie etwa Arteriosklerose. Zur Untersuchung gehört eine Gesundheitsberatung mit dem Ziel, das individuelle Schlaganfallrisiko zu senken. Empfohlen wird diese Selbstzahlerleistung vor allem für Männer mit Dauerstress, Diabetes, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Übergewicht, Durchblutungsstörungen oder Bluthochdruck. 


... beim Urologen

  • Zusatzuntersuchungen können aus fachärztlich-urologischer Sicht zur Verbesserung der Früherkennungsrate von urologischen Krebserkrankungen beitragen. Denn viele der Erkrankungen werden nicht rechtzeitig erkannt, weil die betroffenen Patienten lange Zeit beschwerdefrei sind. Zu den empfehlenswerten zusätzlichen Untersuchungen in der Urologie zählen:
  • die PSA-Wert-Bestimmung(PSA = Prostata spezifisches Antigen). Ein frühzeitig ermittelter Basis-Wert, insbesondere bei familiärer Vorbelastung, erleichtert die Beurteilung des PSA-Wertes im Verlauf des späteren Lebens.
  • Ultraschalluntersuchungdes Harntraktes

  • Urinuntersuchungauf krankhafte oder krankhaft veränderte Bestandteile. 


... beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt

  • Männer über 40 und Männer, die häufiger Alkohol trinken, rauchen, unter Sodbrennen leiden und/oder entsprechend familiär vorbelastet sind, sollten an der HNO-Krebsvorsorge teilnehmen. Hintergrund: Tumoren des Mund-, Rachen- und Kehlkopfraumes stellen bei Männern weltweit die vierthäufigste Krebsart dar. 


... beim Augenarzt

  • Zu den Vorsorgeuntersuchungen, die ausnahmslos empfehlenswert sind, gehört die jährliche augenärztliche Kontrolle. Ab dem 60. Lebensjahr treffen Männer Vorsorge für eine etwaige Mauladegeneration oder ein Glaukom. 

HIV und STI

Wenn Männer mit Männern Sex haben, sollten sie nicht nur Kondome nutzen, sondern sich einer HPV-Impfungunterziehen. Dies gilt auch für HIV-Patienten. Die Impfung gegen Humane Papillomavirenschützt zuverlässig vor einer Infektion mit einigen der krebserregenden HPV-Stämme. Voraussetzung: Die Ansteckung mit diesen Viren ist nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt.

Die spezielle Diagnostik der sexuell übertragbaren Infektionen (STI) – dazu gehören zum BeispielHIV, Syphilis, Gonorrhoe („Tripper“), Hepatitis und Chlamydien – ist für alle Männer angeraten, die sexuell sehr aktiv sind, also nicht nur für Risikogruppen. Hintergrund: Kondome schützen nicht zu 100 Prozent. Je nach sexueller Praktik können Erreger auch über Hautkontakt oder eine Schmierinfektion übertragen werden. Besonders häufig geschieht dies, wenn Oral- oder Analverkehr bevorzugt werden.

Tipp: Der HIV-Test ist die einzige Möglichkeit, um herauszufinden, ob man HIV-positiv ist. Den HIV-Test gibt es anonymisiert und in der Regel kostenfrei beim ortsansässigen Gesundheitsamt und bei Aidshilfen. Auch Ärzte bieten den Test an.  Nach einer möglichen HIV-Übertragung muss einige Wochen gewartet werden, bevor der HIV-Test die Infektion sicher ausschließen kann. Dafür hat man dann aber Klarheit.

Peniskrebs 

Peniskrebs (Peniskarzinom) ist eine Krebsart, die meistens erst ab dem 60. Lebensjahr auftritt. Doch weil heutzutage HPV-Infektionen, die zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen gehören, auch schon junge Männer zwischen 16 und 18 befallen, können auch Peniskarzinome in wesentlich jüngeren Jahren auftreten. 30 oder 35-jährige Männern mit einem Peniskarzinom sind heute keine Seltenheit mehr! Zugegebenermaßen lieben viele Männer das Risiko. Geht es um Krebs, hört der Spaß jedoch auf.

Prostatakarzinom

Studien zeigen: Sind in der Familie bereits Männer erkrankt, steigt das Risiko, selbst ein Prostatakarzinom zu bekommen. Dabei gilt: Je jünger der betroffene Verwandte und je enger der Verwandtschaftsgrad ist, desto größer ist die Zahl der Männer mit einem Prostatakarzinom in der Familie: Das relative Risiko einer Erkrankung steigt also! Konkret: Hatten der Vater oder der Bruder Prostatakarzinom, ist das eigene Risiko etwa doppelt so hoch. Daher unser Ratschlag: Patienten mit familiär erhöhtem Risiko sollten ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Denn für Patienten mit aggressiven Verlaufsformen, die noch im organbegrenzten Stadium entdeckt werden können, birgt die Früherkennung eine Chance für einen rechtzeitigen Therapiebeginn.Patienten mit einer Lebenserwartung von mehr als 10 Jahren können mit einem kurativen Ansatz behandelt werden.

Zusätzlich zur Vorsorgeuntersuchung sollten Männer mindestens einmal pro Monat ihre Hoden abtasten. Sollten sie dabei Veränderungen bemerken, sofort einen Arzt aufsuchen.

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