Hodenschmerzen: Unangenehm, aber meistens gut behandelbar

Rötungen, dumpfe oder gar stechende Schmerzen, Schwellungen oder ein sehr unangenehmes Ziehen, das sich bis in die Leiste oder gar in den Rücken zieht: Fast jeder Mann leidet irgendwann einmal unter Hodenschmerzen – und die können leicht und gut zu ertragen, aber auch sehr unangenehm sein.

Hoden

Die Hoden gehören zu den empfindlichsten Stellen am Körper eines Mannes. Hodenschmerzen können viele verschiedene Ursachen haben. Doch zunächst ein paar Fakten rund um das männliche Geschlechtsteil.

Der männliche Hoden: Aufbau und Funktion

Die beiden paarig angelegten Hoden sind die männlichen Keimdrüsen, hier werden die Spermien produziert. Diese haben eine längliche Form, einen Durchmesser von durchschnittlich drei Zentimetern und hängen frei beweglich am Samenstrang im Hodensack (Skrotum). Aus gutem Grund: Denn im Hodensack sind die temperaturempfindlichen Spermien gut aufgehoben. Die Temperatur ist im Hodensack nämlich um etwa zwei bis drei Grad geringer als im Bauchraum. Idealerweise beträgt sie konstant 34 bis 35 Grad.

Mit Eintritt der Pubertät werden täglich etwa 200 Millionen Spermien gebildet. Die Entwicklung der Spermien in den Samenkanälen innerhalb des Hodens dauert beim Menschen etwa zehn Wochen. Danach lagern die reifen Samenzellen in den Nebenhoden (Epididymis). Von den Nebenhoden geht der Samenleiter (Ductus deferens) ab. Er verbindet den Hoden mit der Harnröhre in der Prostata. Während eines Samenergusses (Ejakulation) werden die Spermien gemeinsam mit der in Prostata und Samenblasen gebildeten Samenflüssigkeit über die Harnröhre ausgestoßen.

In den Hoden – und zwar in den sogenannten Leydig-Zellen – wird auch der allergrößte Teil des männlichen Sexualhormons Testosteron gebildet. Die Hodengröße variiert von Mann zu Mann. Vor der Pubertät ist der Hoden am kleinsten. Im Erwachsenenalter nimmt der Hoden an Größe zu, ungefähr ab dem 50. Lebensjahr schrumpft er wieder etwas.

Leichte, mittlere oder starke Hodenschmerzen, mögliche Ursachen

1. Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis)

Ursächlich für eine Entzündung der Nebenhoden sind meistens Bakterien, die entweder über das Blut oder aber bei einer Harnwegs- oder Prostatainfektion über den Samenleiter in den Nebenhoden gelangen.Eine Ansteckung beim ungeschützten Geschlechtsverkehr ist ebenfalls möglich. Typische Symptome der Nebenhodenentzündung: Brennen beim Wasserlassen, die betroffene Seite ist heiß, rot, geschwollen und reagiert empfindlich auf Berührung. Betroffene sollten bei diesen Symptomen unverzüglich einen Arzt aufsuchen, um sich Antibiotika und eventuell auch Schmerzmittel verschreiben zu lassen.

2. Hodenentzündung(Orchitis)

Eine Entzündung der Hoden ist deutlich seltener als eine Entzündung der Nebenhoden. Bakterielle Hodenentzündungen treten meistens in Kombination mit Nebenhodenentzündungen auf. Virale Hodenentzündungen bei Jungen sind meistens Folge einer Mumpsinfektion. Die Symptome ähneln denen der Nebenhoden-Entzündung, jedoch sind in der Regel beide Seiten betroffen und die Rötung ist meistens nicht so stark. Behandlung: Bakteriell bedingte Hodenentzündungen werden mit Antibiotika behandelt. Die Therapie einer viral bedingten Orchitis hingegen beschränkt sich meistens darauf, Schmerzen zu lindern und die Entzündung zu bekämpfen. Den besten Schutz vor Hodenentzündungen bieten Impfungen, vor allem gegen Mumps, sowie der Gebrauch von Kondomen beim Sex.Schutz vor Orchitis bieten ggf. regelmäßige Untersuchungen der Prostata und des Harntraktes.

3. Hodenprellung

Hodenschmerzen können auch aufgrund von Traumata und Einflüssen von außen entstehen. Zum Beispiel durch Auto- oder Fahrradunfälle oder durch einen scharf geschossenen Ball, der aus Versehen im Bereich der Hoden landet. Dadurch kann sich ein Bluterguss im Hoden bilden. Behandlung: Kühlen so gut es geht. Der Bluterguss wird dann abklingen, was einige Wochen dauern kann.

4. Hodenruptur

Bei einer Hodenruptur reißt die Haut, die den Hoden umgibt. Der Schmerz ist in der Regel noch schlimmer als bei einem gewöhnlichen Schlag oder Tritt „in die Zwölf“. Auch hier ist es wichtig, für Kühlung zu sorgen und unverzüglich zum Arzt zu gehen. Dieser kann mithilfe Ultraschall und Abtasten feststellen, ob die Tunica albuginea eingerissen ist. Sollte dies der Fall sein, wird sie wieder zusammengenäht.

5. Abszesse im Hoden

Bei einem Abszess handelt es sich um eine Ansammlung von Eiter in einem neu gebildeten Hohlraum im Gewebe. Abszesse können sich überall im Körper bilden, also auch im Hoden. Hier gehen sie normalerweise mit starken Schmerzen und Druckempfindlichkeit einher. Ausgelöst werden Abszesse meistens durch Bakterien, die in den Körper eindringen, sich dort vermehren und daher vom Immunsystem bekämpft werden. In der Folge kommt es kommt es zu einer Entzündungsreaktion und der Abszess bildet sich. Ein Abszess am Hoden muss meistens operativ entfernt werden. Der Eingriff findet oft unter Vollnarkose statt.

6. Hodentorsion

Bei einer Hodentorsion, die ohne äußere Einflüsse entsteht, verdreht sich der Hoden (oder auch der Nebenhoden) am Samenstrang um seine Längsachse. Dadurch ist eine ausreichende Durchblutung des Hodens nicht mehr gewährleistet, weil die Blutgefäße, die den Hoden versorgen, abgeschnürt werden. Mögliche Folge: das Hodengewebe stirbt ab, ein meistens nicht mehr rückgängig zu machender Schaden!

Eine Hodentorsion ist sehr schmerzhaft und muss schnell behandelt werden. Manchmal ist eine Drehung von außen durch die Haut des Hodensacks ausreichend. Meistens jedoch ist eine Freilegung des Hodens erforderlich. Zu ähnlichen Symptomen wie bei einer Hodentorsion kann die Hydatidenverdrehung (-torsion) führen, die ungefährlich für den Mann ist.Hydatiden sind die Anhangsgebilde von Hoden (Nebenhoden). Auch hier sollte im Zweifelsfall der Hoden operativ freigelegt werden.

7. Hodenbruch

Auch ein Hodenbruch (Skorthalhernie) kann böse Schmerzen verursachen, muss er aber nicht. Manche Männer fühlen sich jedoch richtig krank oder sie stellen Blut im Stuhl fest. Bei einem Hodenbruch handelt es sich nicht um einen klassischen Bruch, sondern vielmehr um einen Riss des Gewebes in der Bauchwand. Hodenbrüche treten vor allem bei Jungs und jugendlichen Männern auf – oder zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Mögliche Ursachen: Meist entsteht eine Skrotalhernie infolge schweren und unsachgemäßen Hebens.
Die Behandlung eines Hodenbruchs richtet sich nach dem Ausmaß der Verletzung. Das klassische Bruchband, eine Art Korsage, ist eine konservative Behandlungsmethode. Gelingt es, den Bruchsack dadurch wieder in seine ursprüngliche Position zu drücken, gilt es, die entstandene Lücke zu schließen. Das geschieht durch eine besondere, minimal-invasive Nähoperationstechnik. Um einen Hodenbruch zu vermeiden, sollte das Gewebe stets vor großer Druckeinwirkung geschützt werden. Ebenso sind ruckartige Bewegungen als auch das Heben von schweren Lasten nach Möglichkeit zu vermeiden.

8. Wander- bzw. Pendelhoden

Bei manchen Männern zieht sich der Hoden bei bestimmten Reizen wie Kälte oder sexueller Erregung ganz nach oben in den Leistenkanal. In der Regel ist ein Pendelhoden nicht behandlungsbedürftig, zumindest sofern der Hoden danach von selbst wieder zurück in den Hodensack wandert.

9. Hoden-Karzinom

Viele Männer haben die Befürchtung, dass Hodenschmerzen ein Anzeichen für eine Krebserkrankung sind. Dabei sind die gut zu behandelnden Hodentumore relativ selten. Sie treten vor allem bei Männern unter 40 Jahren auf – und sie verursachen eigentlich keine Schmerzen. Die Befürchtung ist somit in den meisten Fällen nicht gerechtfertigt.

10. Hodenhochstand

Zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen des Harn- und Geschlechtsapparats bei männlichen Neugeborenen gehört der Hodenhochstand. Dabeibefindet sich der Hoden im Leistenkanal oder Bauchraum.Teilweise fällt es Männern erst im Erwachsenenalter auf, dass ein Hoden im Hodensack fehlt. Nur in wenigen Fällen (etwa 7 Prozent) nimmt der Hoden nach der Geburt ohne weitere Behandlung seine normale Lage im Hodensack wieder ein. Ist das erste Lebensjahr allerdings erreicht, ist ein spontanes Herabwandern des Hodens eher unwahrscheinlich. Bleibt der Hodensack bis zum sechsten Lebensmonat leer, empfiehlt sich eine medikamentöse (hormonelle) Therapie. Führt diese nicht zum gewünschten Erfolg, muss ein Operateur die Lage des Hodens operativ korrigieren. Die Erfolgsaussichten der OP sind deutlich größer als bei der Hormontherapie. Zur Auswahl stehen zwei verschiedene Operationsverfahren: die offene und die laparoskopische OP. Die Verlagerung eines falsch liegenden Hodens kann äußerst anspruchsvoll sein. Der Operateur sollte daher über ausreichende Erfahrung mit diesem Eingriff verfügen.

Unsere Empfehlung: Sollten Sie starke oder länger anhaltende Schmerzen oder ein extremes Ziehen im Hodenbereich verspüren, konsultieren Sie bitte einen Arzt Ihres Vertrauens.