Pornosucht überwinden: Hilfe & Therapie

Die sexuelle Stimulation ist heute oft nur einen Klick entfernt: Jede vierte Suchanfrage im Internet, so heißt es, hat mit Pornografie zu tun – Tendenz steigend. Oft werden solche Ausflüge in die virtuelle Welt der Erotik in der Absicht verwendet, das eigene Sexualleben etwas spannender und aufregender zu gestalten. 

In der wissenschaftlichen Community wird inzwischen allerdings sehr häufig darüber diskutiert, welche negativen Auswirkungen ein regelmäßiger Porno-Konsum gegebenenfalls haben kann. Studien zeigen, dass Beziehungen nicht selten darunter leiden, wenn sich ein oder beide Partner häufig pornografische Filme und Bilder anschauen. Es klingt paradox, ist aber leider wahr: Wenn sich aus dem ursprünglichen Wunsch nach einer sexuellen Stimulation geradezu eine Sucht entwickelt, kann dies dazu führen, dass der eigene Stimulations-Bedarf immer höher wird – was dann oft zu erheblichen Problemen in der Partnerschaft führt. Auch die mentale Gesundheit kann durch zu häufiges Betrachten pornografischer Inhalte beeinträchtigt werden. Ebenso besteht die Gefahr von sozialen und arbeitstechnischen Problemen.

Welche Probleme können Pornos innerhalb einer Beziehung verursachen?

„Früher war alles besser“ – der Spruch ist ebenso abgedroschen wie falsch. Im Zusammenhang mit den Möglichkeiten, sich sexuell zu stimulieren, könnte man aber sagen: „Früher war alles fantasievoller.“ Wenn sich Paare zum Beispiel im Bett erotische Geschichten vorlesen, entstehen sinnliche Bilder im Kopf. Heutzutage werden mit Hilfe von pornografischen Filmen diese Bilder bereits fertig geliefert. Weil diese Bilder aber in der Regel extrem geschönt sowie mit allerhand Tricks entstanden sind, kann statt der gewünschten Stimulation auch Frustration entstehen.

Pornografische Inhalte werden oft dazu benutzt, um mit der jeweiligen Partnerin oder dem jeweiligen Partner darüber zu kommunizieren, was selbst gerne einmal erlebt werden möchte. Ein regelmäßiger pornografischer Konsum kann aber aufgrund der „geschönten Bilder“ zu völlig unrealistischen Erwartungen führen, und zwar sowohl an sich selbst als auch an den Sexualpartner. Plötzlich wird erwartet, dass der Partner bei gewissen sexuellen Aktivitäten ähnlich reagiert wie es zuvor im Film zu sehen war. Außerdem kann es passieren, dass Partner sich unwohl fühlen oder auch inadäquat. Das alles kann eine Beziehung sehr negativ belasten. Auseinandersetzungen sind eine mögliche Folge, ebenso, dass sich ein oder beide Partner zurückziehen. Dies wiederum führt zu weniger Kommunikation und in der Konsequenz auch zu einem geringeren Austausch von Intimitäten.

Psychologische Aspekte beim Porno-Konsum

Auch wenn sich alleine in Deutschland täglich mehrere Millionen Menschen solche Filme anschauen, gelten Pornos nicht gerade als gesellschaftsfähig. Das kann zur Folge haben, dass sich einige Menschen schuldig fühlen, wenn sie solche vermeintlich unmoralischen Inhalte konsumieren. Oft erfolgt der Konsum heimlich – eng verbunden mit der Sorge, „erwischt“ zu werden.

Wenn Pornos zum Problem am Arbeitsplatz werden

Ein hoher Porno-Konsum oder gar eine Porno-Sucht können dazu führen, dass diese Menschen weniger soziale Kontakte im wirklichen Leben haben und sich zum Beispiel weniger mit Freunden und der Familie treffen. Manchmal leidet auch die Arbeit darunter, wenn die Gedanken ständig um pornografische Bilder kreisen und die Konzentration auf die eigentliche Arbeit deshalb vernachlässigt wird. Im schlimmsten Fall ist sogar der Arbeitsplatz in Gefahr; denn wenn die Sucht zu groß ist, scheuen manche Menschen auch nicht mehr davor zurück, sich die entsprechenden Bilder und Filme während der Arbeitszeit und am offiziellen Arbeitsplatz anzuschauen. Als ein weiteres Risiko ist der finanzielle Aspekt zu nennen: So gibt es im Internet Porno-Portale, für die ein Konsument Geld bezahlen muss. Parallelen zur Spiel-Sucht und der damit verbundenen Gefahr, in einer Pleite zu enden, drängen sich auf.

Auswirkungen von Pornos auf die sexuelle Funktion

In der Sexualität spielen Reize eine sehr große Rolle. Aber wie können bestimmte Reize überhaupt noch wahrgenommen werden, wenn es im Leben auch einen starken Konsum von pornografischen Filmen gibt? Manche Männer berichten, dass sie Erektions- oder zumindest Ejakulationsprobleme haben, wenn sie für die erotischen Reize ihres Sexualpartners unempfindlicher geworden, also desensibilisiert sind. Wer die geschönten Bilder eines Pornos im Kopf hat, kann plötzlich den Eindruck bekommen, dass der Sexualpartner nicht mehr „genügt“. Diese Gedanken bleiben meist nicht ohne Auswirkungen: Männer erhalten keine guten Erektionen und haben Schwierigkeiten zum Orgasmus zu kommen.

Wieviel Porno-Konsum ist noch „normal?“

Studien haben gezeigt, dass ein Porno-Konsum von bis zu 24 Minuten in der Woche offensichtlich keine negativen Effekte auf die eigene Sexualität hat. Interessanterweise konnte ebenso in Studien gezeigt werden, dass Männer, die fast zwei Stunden in der Woche pornografisches Material konsumierten, in ihrer aktuellen Partnerschaft deutlich weniger sexuell aktiv waren.

Raus aus der Porno-Falle

Wie kann Männern, die geradezu süchtig nach pornografischen Inhalten sind, geholfen werden? Da gibt es eine Reihe von Strategien, die natürlich immer individuell angepasst werden müssen. Ziel sollte es immer sein, die pornografische Angewohnheiten zu verändern, um auch den damit verbundenen Leidensdruck in den Griff zu bekommen. Eine technische Möglichkeit wäre, den Zugang zu pornografischen Filmen und Bildern streng zu restringieren. So, wie ein Spiel-Süchtiger keinen Einlass mehr ins Casino oder in die Spielothek erhält, können an einem Computer bestimmte Webseiten blockiert werden.

Eine andere Variante ist es, die betroffene Person mit anderen Aktivitäten abzulenken. Dafür empfiehlt sich ein Terminkalender, in dem diese anderen Aktivtäten konsequent eingetragen werden, damit es erst gar nicht zu zeitlichen Lücken kommt, die dann doch wieder für pornografischen Konsum genutzt werden. Wenn ein Paar ganz offen über den Einsatz von Pornos zur sexuellen Stimulation kommuniziert, wäre das verbindliche Festlegen eines Levels, also einer Obergrenze denkbar. Für manche Paare kann das bedeuten, dass es bestimmte Zeitfenster gibt, in denen – alleine oder gemeinsam - Pornografie verwendet werden darf. Eine Option ist es aber auch, Pornos komplett aus dem Leben zu verbannen.

In jedem Fall eine gute Möglichkeit ist der Besuch eines Therapeuten, mit dem gemeinsam nach Lösungen gesucht wird.

Was passiert während einer Sextherapie?

Bei einer Sexualtherapie wird einem Individuum oder einem Paar geholfen, Schwierigkeiten bei der Sexualität aufzulösen. Bei diesen Problemen kann es sich beispielsweise um Sorgen oder Ängste handeln, denkbar sind aber auch Probleme in der Beziehung. In der Regel wird – alleine oder zusammen mit dem Sexualpartner - die Praxis eines Therapeuten aufgesucht, um dort an einem neutralen Ort die Gespräche zu führen. Die Anzahl der Sitzungen und auch die Länge der jeweiligen Sitzungen hängt immer ein bisschen davon ab, welches Problem es zu lösen gibt und welche Dimension dieses Problem eventuell bereits erreicht hat.

Eine gewisse Nervosität und auch Ängstlichkeit vor dem erstmaligen Besuch bei einem Sexualtherapeuten ist ganz normal. Viele Menschen haben ganz einfach Schwierigkeiten, offen über Sexualität zu sprechen, erst recht, wenn es um ihre eigene geht und insbesondere, wenn als Gesprächspartner noch ein Fremder dabei ist.  Die meisten Sexualtherapeuten wissen aber um diese Gefühlslagen und verfügen deshalb über eine hohe Sensibilität, um auf jeden Patienten gut eingehen und sich behutsam der jeweiligen Thematik nähern zu können. Wichtig ist es zu wissen, dass bei diesen gesprächstherapeutischen Maßnahmen keinerlei körperliche Untersuchungen stattfinden. Häufig bekommen die Besucher einer solchen Sexualtherapie auch sogenannte „Hausaufgaben“. Es geht hierbei häufig darum, gewisse Muster zu durchbrechen. Beispielsweise können solche „Hausaufgaben“ folgendermaßen aussehen:

Experimentation

Manche Paare fühlen sich sexuell sehr eingefahren. Daher kann es helfen, neue Aktivitäten aufzugreifen. Das kann ein Rollenspiel sein oder die Verwendung von Hilfsmitteln. Andere Paare sollen ihre sexuelle Routine verändern oder andere Stellungen ausprobieren. Bei den sexuellen Stellungen ist es wichtig darauf zu achten, wozu man noch in der Lage ist, da manche gesundheitliche Einschränkungen haben und gewisse Positionen nicht einnehmen können.

Sinnlichkeit

Manche Paare müssen mehr Vertrauen und Intimität aufbauen. Dabei ist häufig folgendes Vorgehen zum „Training“ angedacht: Die Paare berühren sich auf nichtsexueller Ebene; im weiteren Verlauf dürfen dann die erogenen Zonen angefasst werden bis hin zum Genitalbereich – und erst dann darf die Penetration erfolgen.

Schulung

Manche Menschen bekommen keine richtig gute sexuelle Aufklärung beziehungsweise keinen guten Sexualkundeunterricht. Daher ist es wichtig, dieses dann in einem geschützten Raum nachzuholen. Sexualtherapeuten sind immer wieder erstaunt, wie wenig Ahnung manche Menschen von der eigenen Anatomie haben oder davon, wie der Körper während der sexuellen Aktivität funktioniert. Es kann sogar  passieren, dass Therapeuten dem weiblichen Klienten empfehlen, beim Sex einmal einen Spiegel miteinzubeziehen, um mehr über ihren Körper zu erfahren.

Strategien der Kommunikation

Hier wird in der Regel dem Paar erläutert, wie man es schafft, bestimmte Fragen an seinen Partner zu stellen beziehungsweise seine Wünsche zu äußern. Grundsätzlich ist es das Ziel, sich auf emotionaler Ebene näher zu kommen.