Prostatakrebs (Prostatakarzinom)

Fast 20% aller Krebserkrankungen beim Mann sind Prostatakrebs. Damit stellt der Prostatakrebs den häufigsten bösartigen Tumor des Mannes dar und gleichzeitig die häufigste Krebstodesursache des älteren Mannes ( > 60 Jahre). Aufgrund der höheren Lebenserwartung und der verfeinerten Entdeckungsmethoden wird die Bedeutung des Prostatakarzinoms in den nächsten Jahren weiter zunehmen.

SchleifeDer Häufigkeitsgipfel des Prostatakrebses liegt zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr, unterhalb des 40. Lebensjahrs kommt er sehr selten vor. Ähnlich wie der Brustkrebs der Frau ist der Prostatakrebs hormonabhängig, d. h. das Wachstum des Prostatatumors kann durch die Geschlechtshormone (vor allem Testosteron) beeinflusst werden. Dies wird in der Behandlung des fortgeschrittenen Tumors ausgenutzt, indem die männlichen Hormone entzogen werden.

Nicht jeder Prostatakrebs muss behandelt werden

Dies klingt vielleicht zunächst paradox, doch der Prostatatumor entwickelt sich in den meisten Fällen sehr langsam, so dass es häufig vorkommt, dass Betroffene an ganz anderen Krankheiten sterben, ohne von ihrem Prostatakrebs erfahren zu haben.

Es gibt allerdings auch aggressivere, schnell voranschreitende Formen von Prostatakrebs mit hohem Risiko, die vor allem jüngere Männer betreffen und schnellstmöglich behandelt werden müssen.

Vorbeugung von Prostatakrebs

Da die Entstehung des Prostatakrebs im Dunkeln liegt, können keine speziellen Maßnahmen zur Prävention getroffen werden.

Einige Studien behaupten, dass eine fett- und fleischreiche Ernährung einen Risikofaktor für das Prostatakarzinom darstellt. Man weiß, dass Prostatakrebs in Ländern mit sehr gemüsereicher Kost seltener auftritt. Weiterhin scheint eine erbliche Disposition für diesen Krebs ebenfalls von Bedeutung zu sein.

Wichtig: Die einzige Chance zur Heilung eines Prostatakrebses liegt bisher in der Früherkennung. Daher sind regelmäßige ärztliche Untersuchungen zur Vorsorge notwendig, um frühzeitig einen Tumor zu entdecken. Hierbei ist zusätzlich zur Tastuntersuchung eine Untersuchung Ihres PSA Wertes vom Arzt zu empfehlen. Mehr Informationen zur Vorsorgeuntersuchung

Verlauf des Prostatakrebs

Die Erkrankung ist aufgrund der langen beschwerdefreien Zeit tückisch. Die Frühstadien sind weitgehend symptomlos. Erst in fortgeschrittenem Stadium treten - wie bei der gutartigen Prostatavergrößerung - Probleme beim Wasserlassen oder Schmerzen auf.

Das Prostatakarzinom kann früh in die Lymphknoten und das Knochengerüst metastasieren, d. h. Tochtergeschwülste setzen. In solchen Fällen handelt es sich allerdings um eine bereits fortgeschrittene Tumorerkrankung. Diese Knochenmetastasen verursachen nicht selten die ersten Beschwerden im Sinne von Rückenschmerzen. Aus diesem Grund muss bei Männern über 50 Jahren mit ungeklärten Rückenschmerzen ein metastasiertes Prostatakarzinom in die diagnostischen Überlegungen einbezogen werden.

Zum Nachweis von Knochenmetastasen wird neben Röntgenaufnahmen eine nicht belastende nuklearmedizinische Untersuchung, die sogenannte Skelettszintigraphie, durchgeführt.

Therapie von Prostatakrebs

Man unterscheidet bei der Behandlung eines Prostatakarzinoms sehr genau zwischen kurativen (zur Heilung führenden) und palliativen (symptomlindernden, nicht heilenden) Verfahren.

Je nach Ausdehnung der Geschwulst, Alter und Begleiterkrankungen des Patienten kommen eine operative Behandlung und/oder Bestrahlungen, eine Therapie mit Geschlechtshormonen oder Gegenhormonen (Hormontherapie) oder eine Chemotherapie in Betracht. Diese Behandlungen können auch kombiniert eingesetzt werden.

Fahrradfahren und Prostatakarzinom

Zwischen dem Prostatakarzinom und der Dauer des regelmäßigen Fahrradfahrens (Stunden pro Woche) besteht eine Korrelation. Das hat eine Untersuchung mit mehr als 5.200 männlichen Radfahrern im Alter über 50 Jahren ergeben. Die Radfahrer, die zwischen 3,75 und 5,75 Stunden pro Woche Fahrrad gefahren sind, hatten ein dreifach erhöhtes Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken. Dasselbe Ergebnis wurde auch für Radfahrer ermittelt, die zwischen 5,76 und 8,5 Stunden pro Woche unterwegs waren. Die Gruppe, die mehr als 8,5 Stunden pro Woche Fahrrad gefahren ist, zeigte einen über 6-fachen Anstieg der Diagnose eines Prostatakarzinoms in Relation zu den Fahrradfahrern, die unter 3,75 Stunden pro Woche aktiv waren.

Die Studienergebnisse sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Denn es gibt derzeit keine Hypothese, die den pathophysiologischen Mechanismus – also körperliche und medizinische Fakten – erklärt.

Perineale Traumen könnten eine der zugrundeliegenden pathophysiologischen Mechanismen ein. Man kennt dieses auch bei Hodentumoren. So hat eine wissenschaftliche Studie darüber berichtet, dass das Fahrradfahren vermehrte Verletzungen im Hoden zur Folge hat. Dies führte dann zu einer erhöhten Tumorrate im Hoden.

Eine weitere Symptomatik bei Fahrradfahrern sind Prostataentzündungen (Prostatitis). Männer, die eine Prostatitis hatten, haben auch ein erhöhtes Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken. Der PSA-Wert, der ein Marker für ein Prostatakarzinom sein kann, war bei Fahrradfahrern, die längere Distanzen fuhren und über 50 waren, erhöht. Der PSA-Wert kann auch dadurch erhöht sein, dass der Sattel einen perinealen Druck ausübt und direkt auf die Prostata drückt. Dadurch können PSA-Werte gemessen werden, die dann keinen Hinweis auf ein Prostatakarzinom sind.

Vasektomie und Prostatakarzinom-Risiko

Einige Studien haben nahegelegt, dass nach einer Vasektomie, die ja eine allgemein gebräuchliche Form der männlichen Verhütung darstellt, ein erhöhtes Risiko von Prostatakarzinomen besteht. Zudem haben Studien vereinzelt die Assoziation zugelassen, dass sogar aggressivere Formen des Proststakarzinoms bei den Erkrankten zu erwarten sind.

In einer großen europäischen Langzeitstudie wurde dieses nun an fast 85.000 Männern im Alter zwischen 35 und 79 Jahren näher untersucht – und entkräftet. 15% der Männer hatten eine Vasektomie. In der Studie, bei der die Männer im Durchschnitt über 15 Jahre begleitet wurden, waren mehr als 4.000 Männer von Prostatakrebs betroffen. Bei 641 davon war zuvor eine Vasektomie durchgeführt worden.

Nach den statistischen Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Vasektomie keine Assoziation mit dem Prostatakrebs-Risiko hatte. Außerdem wurden auch keine aggressiveren Prostatakarzinom-Tumore bei den vasektomierten Patienten gefunden. Bleibt zu hoffen, dass diese große prospektive Studie* nun "Entwarnung" gibt. Vasektomierte Männer müssen sich also allem Anschein nach keine Sorgen um ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko machen.

* Eine prospektive Studie ist eine klinische Studie, die die vor dem Beginn der Studie festgelegte Hypothese bzgl. der Wirksamkeit eines medizinischen Behandlungsverfahrens empirisch überprüft.

Was ist eine Prostatitis?

Eine Prostatitis ist eine Entzündung (-itis) der Vorsteherdrüse (Prostata). Oft fällt der Begriff der Prostatitis im Zusammenhang verschiedener Symptome, die das Urogenitalsystem – das ist der Bereich von Hoden, Harnröhre, Prostata, Blase und Niere mit den abführenden Harnleitern, den Beckenbodenbereich und den After betreffen. Eine Prostatitis kann sowohl akut als auch chronisch auftreten und bakteriellen wie auch nicht-bakteriellen Ursprungs sein. Eine Prostatitis zeigt sich z.B. mit Beschwerden beim Wasserlassen, mit Druckgefühlen, Ziehen, Schmerzen und Erektionsstörungen. Sie kann aber auch komplett ohne Symptome ablaufen.

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