Operative Verfahren bei gutartiger Prostatavergrößerung

Ist die Prostatavergrößerung weiter fortgeschritten und/oder schlagen medikamentöse Behandlungsformen nicht an, gibt es verschiedene operative Verfahren, mit denen die Prostatavergrößerung erfolgreich behandelbar ist.

Prof. Sommer im OPChirurgische Therapie einer gutartigen Prostatavergrößerung

TURP (Transurethrale Prostataresektion)

Eine gutartige Vergrößerung der Prostata ist der häufigste Grund für eine TURP (Transurethrale Prostataresektion). Bei dem chirurgischen Standard-Eingriff wird das Prostatagewebe über die Harnröhre (Urethra) komplett oder teilweise ausgeschält. Dafür sind normalerweise keine Schnitte am Bauch nötig.

Dieses Verfahren ist der Standardeingriff bei der Prostatavergrößerung, zu dem sehr gute Langzeitergebnisse vorliegen. Ein Bauchschnitt ist in diesem Fall nicht notwendig. Die vergrößerten Prostataanteile werden durch die Harnröhre ausgeschält. Dies geschieht mittels eines Endoskops mit einer elektrischen Schlinge, wobei das Prostatagewebe durch die Harnröhre in einzelnen Spänen Stück für Stück entfernt wird. Es wird jedoch nicht die gesamte Prostata entfernt. Für eine transurethrale Resektion sollte das Gewicht der Prostata nicht mehr als 80 Gramm betragen. Der Eingriff erfolgt in Allgemeinnarkose oder Rückenmarksnarkose. Nach dem Eingriff trägt der Patient für einige Tage ein Katheter zur Spülung der Blase.

TUIP (Transurethrale Inzision der Prostata)

Bei dieser Prozedur, die ebenfalls über die Harnröhre durchgeführt wird, erfolgen kleine Inzisionen (Einschnitte) in der Prostata. Dadurch öffnet sich diese und der Harnfluss wird besser. Die TUIP kann nur bei bestimmten Patienten durchgeführt werden.

Offener chirurgischer Eingriff

Bei einer Prostatagröße von über 80 Gramm wird eine offene Operation (mit Hautschnitt) durchgeführt. Beim offenen chirurgischen Eingriff (Suprapubische Prostata-Enukleation) erfolgt ein kleiner Schnitt im unteren Bauchbereich, über den das Prostatagewebe entfernt wird. Diese Operation ist angesagt, wenn es nicht möglich ist, den Eingriff über die Harnröhre durchzuführen – oder wenn die Prostata bereits zu groß ist.

Die Prostata wird mit dem Finger ausgeschält, wobei auch hier nur die vergrößerten Anteile der Prostata entfernt werden. Je nach Operationsmethode wird u. U. die Blase eröffnet, so dass gleichzeitig Blasensteine beseitigt werden können. Der postoperative Katheter muss etwas länger als bei der transurethralen Resektion liegen bleiben. Alle Verfahren weisen eine niedrige Komplikationsrate auf. Mögliche, aber seltene Hauptkomplikationen der transurethralen Resektion und der Schnittoperation sind ein erhöhter Blutverlust und eine Schädigung des Schließmuskels. Die Operationsdauer liegt im Allgemeinen etwas über einer Stunde. Der Krankenhausaufenthalt beträgt nur wenige Tage. Bei den genannten Prostataoperationen bleibt die Potenz erhalten. Allerdings kommt es meist zu einem sogenannten trockenen Orgasmus, d. h., der Samen fließt in die Blase. Somit ist Unfruchtbarkeit häufig Folge dieser Prostataoperation.

Wichtig zu wissen: Bei allen drei Prozeduren bekommen die Männer anschließend einen Katheter, meistens für einige Tage. Dadurch wird sichergestellt, dass der Urin von der Blase ungehindert nach außen geführt wird. Der Operateur entscheidet, wann der Katheter entfernt werden kann.

Können operative Eingriffe die männliche Sexualfunktion beeinträchtigen?

In der Regel sollte es so sein, dass Männer, die vor der Operation gute Erektionen aufbauen konnten, diese auch nach der Operation weiter gut aufbauen. In manchen Fällen kann es aber zu Komplikationen kommen, weil z.B. das Nervengefäßgeflecht (Neurovaskuläre Bündel) überhitzt wird. Das neurovaskuläre Bündel ist unter anderem auch für die Erektionsfähigkeit des Mannes zuständig. Mit einer speziellen Ultraschalluntersuchung in Kombination mit einer Nervenmessung lässt sich feststellen, was die Ursache für eingetretene Erektionsstörungen ist.

Einige Männer bekommen es nach einer Prostataoperation auch mit einer retrograden Ejakulation zu tun. Diese wird im Volksmund auch „trockener Orgasmus“ genannt. Konkret bedeutet dies: Wenn der Mann einen Orgasmus bekommt und ejakuliert, gelangt das Ejakulat nicht nach vorn über den Penis nach außen, sondern in die Blase. Die Ursache: Viele operative Eingriffe an der Prostata führen dazu, dass das Gewebe nahe dem Blasenhals mitoperiert wird. Dadurch kann es mitunter während des Orgasmus nicht zu einem Verschluss kommen, dementsprechend geht die Samenflüssigkeit rückwärts in die Blase. Mehr zur retrograden Ejakulation

Minimal-invasive Eingriffe zur Therapie einer gutartigen Prostatavergrößerung

Prostatische Urethra Lift

Eine prostatische Urethra Lift (Prostatic urethral lift) ist eine minimal-invasive Prozedur, die bei einer vergrößerten Prostata Anwendung finden kann. Dabei werden Fäden gelegt, die das Prostatagewebe von der Harnröhre (der Urethra) fernhalten und dementsprechend den Druck reduzieren. Dadurch kann der Urin besser nach außen gelangen. Der Eingriff durch die Harnröhre wird in der Regel mit einer lokalen oder generalisierten Narkose durchgeführt. Normalerweise dauert es um die zwei Wochen, bis der Patient eine Verbesserung bemerkt.

Prostatische arterielle Embolisation (PAE)

Eine andere operative Methode, um eine vergrößerte Prostata minimal-invasiv zu therapieren, ist die Prostatische arterielle Embolisation. Dabei werden kleine Verschlüsse in den Arterien gelegt, die die Prostata mit Blut versorgen. Durch die Reduktion des Blutflusses wird das Prostatagewebe kleiner. Man sollte die PAE nur von einem erfahrenen Operateur durchführen lassen. Denn die Verlegung einer zur Prostata führenden Arterie kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen führen.

Transurethale Mikrowellentherapie (TUMT)

Bei dieser Technik verwendet man die Hitze von Mikrowellen, die das prostatische Gewebe teilweise zerstören sollen. Die Mikrowellen werden in der Regel über einen Katheder, der in der Harnröhre liegt, „gesendet“. Zusätzlich gibt es ein Kühlungssystem. Dieses verhindert, dass andere Strukturen im Urogenitaltrakt von der Hitze beschädigt werden.

Transurethrale Nadelablation (TUNA)

Bei dieser Prozedur wird Hitze in das Prostatagewebe geführt, dabei werden Radiowellen verwendet. Diese werden über Nadeln direkt in das Prostatagewebe eingesetzt. Der Eingriff kann ebenfalls in lokaler Anästhesie durchgeführt werden.

Wasserinduzierte Thermotherapie (WIT)

Bei dieser Technik führt der Operateur einen speziellen Katheter mit einem Positionierungsballon ein. Dann wird warmes Wasser über den Katheder in den Ballon geführt. Durch die Hitze wird das Prostatagewebe zerstört.

Visuelle Laserablation der Prostata (VLAP)

Bei dieser Technik wird Laserenergie verwendet, um das Prostatagewebe zu reduzieren.

Transurethrale Vaporisation der Prostata (TUVP)

Bei diesem Eingriff kommt Laserenergie zum Einsatz, um das Prostatagewebe zu vaporisieren: Das Gewebe „verdampft“.

Stents

Eine weitere minimal-invasive Methode besteht darin, Stents einzusetzen. Diese führen dazu, dass die Harnröhre in der Prostata offengehalten wird.

Empfehlung: Grundsätzlich sollten alle minimal-invasiven Methoden mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Denn nicht jede Methode kommt für jeden Patienten in Frage.

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