Operation und Bestrahlung bei Prostatakrebs

Bei rechtzeitiger Diagnose besteht durch eine Operation oder eine Bestrahlung des Tumors die Chance zur Heilung.

Operation

Operation

Die Radikaloperation kommt vor allem bei auf die Prostata beschränkte Tumore in Frage, da nur unter dieser Voraussetzung der Tumor durch eine komplette Entfernung der Prostata restlos beseitigt werden kann. Es handelt sich allerdings um einen relativ großen Eingriff, der ein ca. 5%iges Risiko der Inkontinenz (Unfähigkeit den Urin zu halten) und ein ca. 80%iges Risiko der bleibenden Impotenz beinhaltet. Die Rate der übrigen Komplikationen (z. B. Blutverlust, Thrombose) entspricht der anderer großer Operationen. Die Operationstechnik wurde in den letzten Jahren sehr verfeinert und perfektioniert.

Sinnvoll ist eine Radikaloperation nur dann, wenn der Patient aufgrund seines Allgemeinzustandes sowie der Art und Schwere von Begleiterkrankungen noch eine Lebenserwartung von mehr als 10 Jahren aufweist, da es sich beim Prostatakrebs um einen sehr langsam wachsenden Tumor handelt. Ein Patient mit einer kürzeren Lebenserwartung würde durch den Eingriff nicht profitieren.

Bestrahlung

Eine weitere Therapiealternative ist die Bestrahlung (Radiatio) der Prostata. Für die seit ca. 20 Jahren bestehenden neueren Bestrahlungsverfahren sowie für die Brachytherapie (innere Bestrahlung) liegen ebenfalls ermutigende Heilungsergebnisse vor. Wichtig ist, dass für jeden einzelnen Patienten in Zusammenarbeit von Hausarzt und Urologe ein individuelles Therapiekonzept erarbeitet wird. Dabei müssen alle Behandlungsverfahren einbezogen und abgewogen werden.

Penisverkürzung, Klimakturia & Co.: Mögliche Folgen der radikalen Prostatektomie (RPE)

Vielen Männern ist nicht bewusst, was eine RPE bei einem Prostatakarzinom für die Sexualität bedeutet.

Studien konnten zeigen, dass viele Männer eine unrealistische Erwartungshaltung in Bezug auf ihre sexuelle Funktion nach einer RPE haben. Bei einer RPE werden die Prostata und ihre "Anhängsel" entfernt – ein gängiger operativer Eingriff bei der Therapie eines Prostatakarzinoms. Der chirurgische Eingriff kann klassischerweise offen oder auch laparoskopisch bzw. roboterassistiert erfolgen – und zu sexuellen Veränderungen führen. Das können eine Erektile Dysfunktion, eine schwächere Erektion (Rigiditätsverlust), Harnverlust beim Orgasmus (Klimakturia), Verlust des Penisvolumens oder eine knotenartige Bildung am Penis mit entsprechender Verkrümmung und Penisverkürzung (Induratio penis plastika / IPP) sein. Die befragten Patienten waren über diese Risiken und Nebenwirkungen sehr erstaunt – insbesondere über das Nachlassen der sexuellen Funktion. Doch glücklicherweise gibt es heute Operationstechniken, z.B. beidseitig nerverhaltende Operationen, die zu einer besseren sexuellen Funktion nach dem Eingriff führen können.

Ein weiterer interessantes Studienergebnis: Nur wenige Patienten wurden vor der OP darüber aufgeklärt, dass sie später „trockene“ Orgasmen haben werden. Dabei ist ein Orgasmus-Gefühl vorhanden, aber es tritt kein Ejakulat mehr über die Harnröhre aus. Richtig erstaunt waren die Patienten über Klimakturia, den Verlust an Penisvolumen und eine mögliche IPP.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Männer, die eine operative Therapie ihres Prostatakrazinoms erwartet, sollten stärker über mögliche sexuelle Veränderungen aufgeklärt werden. Und über post-operative Maßnahmen zur Rehabilitation des Penis – damit sie nach der Behandlung wieder eine erfüllende Sexualität erleben können.

Unser team führt bei unseren Patienten entsprechende diagnostische Maßnahmen durch. Hier werden je nach Untersuchungsergebnis rehabilitative Maßnahmen für den Penis durchgeführt bzw. Trainingsprogramme aufgestellt. Angefangen von einem Nerventraining über spezielles Potenzmuskeltraining bis hin zum Verhindern einer Penisschrumpfung. Außerdem bieten wir ein Durchblutungstraining und ein therapeutisches Schema zur Verbesserung der Zusammensetzung der penilen Infrastruktur an.

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Nach der Therapie eines Prostatakarzinoms: Macht eine Stoßwellentherapie bei Erektionsstörungen Sinn?

Viele Männer, die wegen eines Prostatakarzinoms in Behandlung waren, entwickeln eine Erektile Dysfunktion (ED). Der Grund: Die zum Penis führenden Blutgefäße oder aber die für eine Erektion wichtigen Nerven wurden durch die Therapie – z.B. durch operative Eingriffe oder Bestrahlungen – in Mitleidenschaft gezogen.

Warum ist das so? Um eine Erektion in Gang zu setzen, sind zentrale Nervenimpulse erforderlich. Diese werden in der Regel vom Gehirn über das Rückenmark an den Penis geleitet. Einige der Nerven sind sehr nah an der Prostatadrüse gelegen. Wenn die Nervenimpulse an den Penis geraten, führt dies dazu, dass die glatten Muskelzellen im Penis stimuliert werden und mehr Blut in den Penis hineinfließen kann. Die Therapie eines Prostatakarzinoms kann beide Prozesse – den der Nervenimpulse und auch den Blutfluss – unterbrechen. Zum Beispiel kommt es vor, dass die zum Penis führenden Blutgefäße bei operativen Eingriffen oder Bestrahlungen geschädigt werden. Manchmal entwickelt sich auch Narbengewebe um die Blutgefäße herum, sodass diese bei sexueller Stimulation nicht ausreichend Blut zum Penis führen.

Bei der Stoßwellentherapie werden akustische Wellen verwendet, um neue Blutgefäße zu formieren. Stoßwellen werden zum Beispiel zur Therapie von Patienten mit Nierensteinen oder Herzproblemen verwendet. Bei der Therapie einer ED gilt das Verfahren eher noch als "Experiment“, seine Wirksamkeit bei Nervenschädigungen hat sich bislang nicht bestätigt. Und wenn das Gefäßsystem beschädigt wurde, müssen Patienten hochselektiert werden, um einen Vorteil aus der Stoßwellentherapie zu ziehen. Eine Stoßwellentherapie ist daher nicht besonders geeignet, um betroffenen Männern mit Erektionsstörungen zu helfen.

Erst die Diagnose und dann die Therapie

Männer haben jedoch verschiedene andere Möglichkeiten, eine erektile Dysfunktion in den Griff zu bekommen. Je nach Ursache wirken lokale Medikamente und Injektionen sowie Vakuumpumpen, aber auch therapeutische Maßnahmen in Kombination. Ein versierter Arzt wird diesbezüglich weiterhelfen können. Vor der Therapie sollte eine gründliche Diagnose der ereilen Dysfunktion erfolgen, damit die erfolgsversprechendste Therapieoption gewählt werden kann. Mehr zur Diagnose und Therapie von Erektionsstörungen.

Sind Testosteronwerte Indikatoren für eine erforderliche radikale Prostatektomie?

Die Antwort darauf ist simpel und lautet „Ja“. Der Testosteronstatus, der vor einer radikalen Prostatektomie bei Patienten mit einem Prostatakarzinom bestimmt wird, ist sowohl für das onkologische Ergebnis als auch für die erektile Funktion nach dem Eingriff allem Anschein nach ein wichtiger Vorhersagewert. So einfach ist das mit dem Testosteronspiegel vor dem operativen Eingriff jedoch nicht. Dazu gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Studien. Teilweise zeigen diese, dass der entsprechende Wert mit der Überlebensrate von Prostatakrebs-Patienten, die sich einer Prostatektomie unterziehen, einhergeht. Andere Studien wiederum zeigen keinerlei Korrelation.

Nichtsdestotrotz gibt es eine Tendenz. Wenn man sich alle Studien genauer anschaut, dann fällt auf, dass ein niedriger Testosteronwert vor einer radikalen Prostatektomie eine schlechtere onkologische Prognose zeigt. Eine noch signifikantere Aussage ergibt sich, wenn man das freie, biologisch aktive Testosteron bestimmt. Je niedriger dieser Wert ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor nach der operativen Entfernung wiederauftritt. Man spricht dann von einem Rezidiv.

Das freie, biologisch aktive Testosteron hat nicht nur einen Einfluss auf den onkologischen Verlauf, sondern auch auf die Erektionsfähigkeit. Konkret: Männer, die vor einer radikalen Prostatektomie sehr gute Erektionen (ohne Hilfsmittel) und einen sehr guten freien, biologisch aktiven Testosteronwert hatten, werden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit etwa ein Jahr nach dem Eingriff wieder eine passable erektile Funktion haben. Voraussetzung: der Eingriff wird nerverhaltend durchgeführt und die Männer führen ein Schwellkörpertraining durch.

Erektionsstörungen nach einer radikalen Prostatektomie: Eine modifizierte chirurgische Technik könnte Männern helfen

Der Krebs ist besiegt – aber dann? Viele Männer, denen aufgrund eines Prostatakarzinoms die Prostata entfernt werden musste (radikale Prostatektomie), klagen anschließend häufig über Erektionsstörungen. Das liegt daran, dass bei einem solchen operativen Eingriff oft die Nerven des neurovaskulären Bündels, die sich rechts und links von der Prostata befinden, mitentfernt oder zumindest geschädigt wurden. In Folge dessen sind bei den Patienten nur noch schlechte oder gar keine Erektionen mehr möglich.

Chirurgische Kollegen aus Melbourne (Australien) haben eine Technik modifiziert, die betroffenen Männern in solchen Fällen helfen könnte. Und zwar wurde der im Bein befindliche Suralnerv, der dort aber nicht von essentieller Bedeutung ist, entnommen und anschließend im Bereich des neurovaskulären Bündels eingesetzt. Konkret wurde der Suralnerv an einem Ende mit den Nerven des Femoralbeinnerven verbunden, am anderen Ende mit dem Corpus cavernosum. Das Corpus cavernosum ist einer von zwei Schwellkörpern, die beim Mann für die Erektion wichtig sind.

Zwölf Monate nach dieser „Transplantation“ konnte nachgewiesen werden, dass die Nervenenden, die im Corpus cavernosum lagen, den Neurotransmitter Acetylcholin ausschütteten. Acetylcholin ist wichtig für die Unterstützung einer Erektionsfähigkeit.

Für die im Zuge der Prostatektomie gekappten oder beschädigten Nervenstränge konnten mit Hilfe des Suralnervs ein Ersatz geschaffen werden. Vor allem auch von den so wichtigen Axonen, die sich als schlauchartiger Fortsatz an den Nervenzellen befinden und dort für die Signalweitergabe verantwortlich sind, befanden sich dadurch wieder mehr am Penis.

Bei etwa 20 Prozent der Männern war sechs Monate nach der Operation wieder eine Erektion möglich; bei weiteren 50 Prozent stellte sich der Erfolg zwölf Monate nach dem operativen Eingriff ein. Ein Teil der Probanden benötigte zusätzlich noch Medikamente. Auch ein Schwellkörpertraining wurde manchen zur weiteren Verbesserung der erektilen Funktion empfohlen. Somit gab fast jeder dritte Teilnehmer der Studie ein Jahr nach der Operation an, dass sich bei ihm die Lebensqualität signifikant verbessert hat und er sich über die wiedergewonnene Erektion sehr freut.

An wem wurde diese neue chirurgische Technik bereits durchgeführt?

Diese neue Operationstechnik wurde in der australischen Studie an Männern durchgeführt, die alle jünger als 70 Jahre alt waren und bei denen zuvor eine radikale Prostatektomie vorgenommen worden war. Am Tag der Operation lag der PSA-Wert der Männer unterhalb der Nachweisgrenze; das bedeutet: Sie waren vom Prostatakarzinom als geheilt eingestuft. Die jeweiligen Operationen dauerten zwischen zweieinhalb und vier Stunden. In der Regel mussten die Patienten lediglich eine Nacht stationär im Krankenhaus bleiben und konnten bereits am Folgetag entlassen werden.

Was mögliche Komplikationen der Operation betrifft, kam es bei weniger als 20 Prozent der Patienten zu einer Wundinfektion. Knapp 30 Prozent der Patienten hatten das Gefühl, dass sich die Oberschenkelmuskulatur, der sogenannte Quadrizeps, in den ersten Wochen nach der Operation schwach anfühlte. Mit der Zeit legte sich das, denn das Bein kann auch ohne Suralnerv gut funktionieren.