Der Orgasmus - Fragen und Antworten zum Höhepunkt der Lust

Der Orgasmus ist der Höhepunkt der Lust. Multiple Orgasmen, Prostata-induzierte Orgasmen, der G-Punkt und auf welche Art und Weise kommen Frauen zum Höhepunkt - es gibt viele Fragen rund um den Orgasmus.

Was sind multiple Orgasmen?

Wenn Männer oder Frauen mehrmals hintereinander „kommen", haben sie multiple Orgasmen. Wissenschaftler sprechen von multiplen Orgasmen, sofern diese innerhalb von 20 Minuten auftreten. Studien zeigen, dass diese Fähigkeit häufig bei über 30-Jährigen abnimmt.

Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass etwa 14% der Frauen in den Genuss multipler Orgasmen kommen, wobei der zweite und dritte Orgasmus meistens nicht mehr so intensiv empfunden werden.

Männer, die nicht ejakulieren, haben vergleichsweise häufig multiple Orgasmen. Psychostimulierende Medikamente können ebenfalls zum multiplen Orgasmus führen. Grundsätzlich sollten sich Männer und Frauen keine Sorgen machen, wenn sie zu multiplen Orgasmen nicht in der Lage sind. Die Sexualität kann auf jeden Fall auch für sie intensiv und genussvoll sein. 

Was ist die Refraktärzeit?

Nach einem Orgasmus erreichen Männer und Frauen ein Stadium, in dem sie nicht mehr erregbar sind – selbst bei sexueller Stimulation. Der Körper „erholt" sich quasi und kehrt wieder in seinen „normalen" Status zurück. In dieser Phase wird der Penis wieder weich und flaszide. Die Länge der sogenannten Refraktärzeit ist individuell unterschiedlich: Einige Männer brauchen Sekunden bis Minuten, andere einen Tag. Wissenschaftler haben bislang nicht herausgefunden, worin diese Unterschiede begründet sind.

Viele Männer fragen sich, wie sie die Refraktärzeit möglicherweise verkürzen können. Möglich ist dies zum Beispiel durch die Einnahme von PDE-5-Inhibitoren. Frauen haben in der Regel keine Refraktärzeit. Aber auch sie können nach einem Orgasmus für eine Weile das Interesse an sexueller Aktivität verlieren.

Was ist ein Prostata-induzierter Orgasmus?

Einige Männer erleben einen besonders starken und intensiven Orgasmus, wenn der Partner die Prostatadrüse massiert oder ein Sexspielzeug zum Einsatz kommt. Die Stimulation erfolgt, indem ein Finger, ein Penis oder ein Gegenstand durch das Rektum appliziert werden. Das Zielgebiet ist mit dem G-Punkt der Frau vergleichbar.

Die Prostata ist eine walnussgroße Drüse unterhalb der Blase, die seminale Flüssigkeit produziert. Diese mischt sich mit dem Sperma und Flüssigkeiten anderer Drüsen. Ergebnis ist dann das Ejakulat. Experten haben keine Erklärung dafür, warum viele Männer einen Prostata-induzierten Orgasmus als so genussvoll empfinden. Ein Grund können die vielen Nerven sein, die die Prostatadrüse umgeben. Sie sind möglicherweise für sexuelle Stimulation besonders empfänglich.

Viele Wege führen zum Prostataorgasmus

  1. Der Sexualpartner bzw. die Partnerin ist beim „Prostataspiel“ oder der „Prostata-Melkung“ mit eingebunden. Er bzw. sie führt einen sauberen, gut gleitenden Finger einige Zentimeter tief in das Rektum des Mannes ein und übt dann Druck in Richtung Bauchnabel aus. Die Prostata lässt sich dabei ertasten. Die Massage kann langsam und einfühlsam mit Bewegungen in mehrere Richtungen erfolgen.
  2. Es kann auch ein Sexspielzeug verwendet werden. Im Sexshop oder online kann man sich ein Bild davon machen, wie viele Größen, Ausführungen und Variationsmöglichkeiten es gibt. Sexspielzeuge sollten immer sauber und gut eingeölt bzw. eingefettet sein, damit sie gut gleiten.
  3. Männer, die Sex mit anderen Männern haben, bevorzugen es, wenn der Partner seinen Penis ins Rektum einführt. Durch den Analsex wird die Prostata stimuliert.

Wichtig: Nicht jeder Sexualpartner fühlt sich mit Analsex wohl, das gilt es zu respektieren. Anale Aktivitäten sollten daher im Vorfeld abgesprochen werden. Ob Finger, Sexspielzeug oder Penis: Alles, was ins Rektum eingeführt wird, sollte stets sauber und gut eingeölt bzw. eingefettet sein. Um Infektionsrisiken zu verringern, ist das Tragen von Kondomen oder Einmalhandschuhen zu überdenken. Anders als die Vagina wird das Rektum durch sexuelle Stimulation nicht feucht. Daher ist es ratsam, Gleitmittel (Lubrikation) zu verwenden. Achtung! Präparate auf Ölbasis können Latex “schwächen“ und sollten daher bei der Verwendung von Latexkondomen oder -Einmalhandschuhen nicht verwendet werden.

Der vortäuschten Orgasmus - Zahlen und Fakten

Männer wie Frauen täuschen einen Orgasmus vor. Und das gar nicht mal so selten, wobei Frauen häufiger „mogeln“. In einer Studie mit Studierenden ist herausgekommen, dass 25% der Männer und 50% der Frauen immer mal wieder einen Orgasmus vorspielen. Beim vaginalen Geschlechtsverkehr sind dies sogar 28% der Männer und 67% der Frauen.

Frauen täuschen meistens einen Orgasmus vor, indem sie lustvolle Geräusche von sich geben, ihre Atemfrequenz erhöhen oder entsprechende Bewegungen machen.

Männer ejakulieren normalerweise, wenn sie „kommen“. Daher ist es für sie etwas schwieriger, einen Orgasmus zu inszenieren. Am häufigsten unter den „Schauspielern“ sind Männer, die beim Sex ein Kondom verwenden. Dieses lassen sie nach dem vorgetäuschten Orgasmus schnell verschwinden. Dadurch ist für den Partner oder die Partnerin gar nicht mal so leicht, festzustellen, ob er zum Höhepunkt gekommen ist – oder eben nicht.

Gründe für den inszenierten Orgasmus

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Orgasmus vortäuscht wird. Manchmal möchte man seinem Partner einen Gefallen tun und den Eindruck vermitteln, dass man befriedigt wurde. Es kann aber auch sein, dass man den Sex auf diese Weise zu Ende bringen will. Viele Paare glauben auch, dass der Orgasmus unbedingt der Gipfel der Zweisamkeit sein sollte. Wird dieser nicht erreicht, wird der Orgasmus vorgetäuscht. Bei vielen heterosexuellen Paaren kommt die Partnerin vor dem Mann. Dabei brauchen eigentlich Frauen länger bis zum Höhepunkt. Also täuschen viele Frauen den Orgasmus einfach vor. Wissenschaftliche Studien haben aber auch gezeigt: Frauen, die den Orgasmus vorspielen, haben teilweise ein erhöhtes Lustgefühl während des Geschlechtsverkehrs – ein interessanter Aspekt!

Grundsätzlich ist der Orgasmus ein sehr komplexer Prozess und bei weitem nicht immer erreichbar. Wenn ein Partner häufiger nicht kommt, sollten Paare dies thematisieren und gemeinsam herausfinden, welche anderen Möglichkeiten der sexuellen Erregung und des Lustgewinns es gibt. Zärtlichkeiten gehen da immer!

Gibt es einen Unterschied zwischen dem vaginal und dem klitoral stimulierten Orgasmus?

Eine schwierige Frage, deren Beantwortung von Frau zu Frau unterschiedlich ist. Viele Frauen bekommen einen Orgasmus, wenn ihre Klitoris stimuliert wird. Andere wiederum präferieren eine vaginale Stimulation, bspw. durch Penetration.

Grundsätzlich gibt es keinen „besseren“ Orgasmus, beide Praktiken können sexuell erfüllend sein. Frauen, die den vaginalen Orgasmus bevorzugen, scheinen allerdings eine ausgeprägtere Lust zu haben. Hierzu gibt es allerdings unterschiedliche Aussagen in den Studien. In einer Studie wurden Frauen neutrale Filme und Filme mit sexuellem Inhalt gezeigt. Das Ergebnis: Frauen, die durch eine klitorale Stimulation zum Orgasmus kommen, fühlten sich durch das Filmmaterial mit sexuellen Inhalt stärker erregt.

Wichtig ist mir, daran zu erinnern, dass viele Wege zum Orgasmus der Frau führen. Manche Frauen stehen auf orale Stimulation, andere wiederum auf Masturbation oder auf Berührung ihrer Brüste. Und es kommt auch vor, dass Frauen nur mit einem bestimmten Partner oder je nach Tagesform zum Höhepunkt kommen. Somit ist der ultimative Orgasmus immer auch eine individuelle Erfahrung, über die mit dem Partner auf alle Fälle gesprochen werden sollte.

Was ist der G-Punkt?

Dr. Ernst Gräfenberg war der erste Arzt, der den G-Punkt um 1950 beschrieb. Daher der Name „G“-Punkt. Heute ist sich die Wissenschaft nicht einig, ob es den G-Punkt, so wie Gräfenberg ihn beschrieben hat, wirklich gibt.So haben Wissenschaftler Schwierigkeiten damit, den vermeintlichen Punkt genau zu lokalisieren, selbst unter Verwendung radiografischer Methoden. Denn die Bezeichnung "Punkt" ist eigentlich falsch. Vielmehr geht es um eine Zone entlang der weiblichen Harnröhre. Da jede Frau einzigartig ist, kann die G-Zone auch direkt hinter dem Eingang der Scheide oder in deren Inneren liegen. Einigkeit besteht darüber, dass das sensitive, durch Stimulation anschwellende Areal Lust bereiten kann. Allerdings ist es nicht jeder Frau möglich, einen vaginalen Orgasmus zu erleben.

Qualvolle Orgasmen: Das PGAD-Syndrom (persistent genital arousal disorder) 

Wenn Frauen permanent erregt sind und teilweise hunderte Höhepunkte pro Tag haben, dann leiden sie unter dem PGAD-Syndrom (PGAD = persistent genital arousal disorder). Bei dieser eher seltenen und teilweise qualvollen Erkrankung fühlen sich die betroffenen Frauen über Stunden oder sogar Tage erregt, ohne dass es einer sexuellen Stimulation bedarf.

Vibrationsübertragungen auf das Genital können das PGAD-Syndrom auslösen. Vibrationen können bspw. durch Rüttelbewegungen des Autos oder beim Reiten ausgelöst werden.

Unklar ist, warum Frauen das Syndrom entwickeln. Einige Wissenschaftler vermuten, dass Stress oder psychologische Ereignisse ursächlich sind. Eine wissenschaftliche Studie hat ferner gezeigt, dass Frauen mit einer Tarlov-Zyste (das ist ein mit Flüssigkeit gefüllter Sack im unteren Wirbelsäulenbereich) eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, das PGAD-Syndrom zu entwickeln.

Für die Behandlung des Syndroms gibt es verschiedene Möglichkeiten. Sinnvoll erscheinen eine Verhaltenstherapie, Stressmanagement, eine spezielle Physiotherapie des Beckenbodens oder auch eine Veränderung in der Medikation. Aber auch physikalische Maßnahmen – etwa das Auftragen von Eis auf die erregte Stelle – können zu einer Linderung der Symptome führen.