Männliche Verhütung - Kontrazeption für den Mann

Umfragen zeigen, dass fast die Hälfte aller Männer aufgeschlossen gegenüber neuen Kontrazeptiva ist. Diese sollten allerdings einfach anzuwenden und reversibel sein.

Männliche Verhütung - Es tut sich was

Trotz jahrzehntelanger Bemühungen in der Forschung ist Verhütung heute meistens immer noch Sache der Frauen. Doch die Zeiten ändern sich.

Mittlerweile wollen immer mehr Männer die Verantwortung für die Verhütung mit ihren Partnerinnen teilen oder die Kontrolle ihrer Zeugungsfähigkeit sogar selbst übernehmen. Und das ist auch gut so. Denn ungewollte Schwangerschaften bringen niemandem etwas.2017 gab es in Deutschland 101.200 registrierte Schwangerschaftsabbrüche. Damit ist die Zahl der Abtreibungen um ca. 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.Weltweit werden jedes Jahr fast 100 Millionen Frauen ungewollt schwanger. Einer Studie zufolge beträgt der Anteil der ungewollten Schwangerschaften an allen Schwangerschaften immerhin 44 Prozent: Dabei werden mehr als die Hälfte der ungewollten Schwangerschaften vorzeitig beendet.

Wissenschaftler auf allen Kontinenten sind sich darin einig, dass innovative männliche Kontrazeptiva eine bedeutende Rolle bei der Verhinderung ungeplanter Schwangerschaften spielen könnten. Doch die Forschung auf diesem Gebiet könnte weiter fortgeschritten sein. Der erste Internationale Kongress für männliche Kontrazeption fand übrigens 2016 statt. Organisiert wurde er vom International Consortium for Male Contraception (ICMC). Seitdem ist das Interesse an Verhütungsmethoden für den Mann angewachsen und der Bedarf an pharmakologischen Methoden zeigt sich zunehmend. Denn Männer wollen sich nicht mit den Optionen zufrieden geben, zum Kondom zu greifen oder eine Vasektomie durchführen zu lassen. Gleichwohl hat sich seit 2016 viel getan.

  • Pille für den Mann: Im Bereich der klinischen Forschung mit einem modifizierten Androgen befindet sich derzeit eine Pille für den Mann in der Entwicklung. Mehr erfahren
  • Verhütungsgel: Ebenfalls der Entwicklung, jedoch schon in einem weiter fortgeschrittenen Stadium, ist ein Hormon-Gel mit dem Wirkungsmittel Nestoron (synthetisches Gestagen). Jetzt bleibt abzuwarten, welche konkreten Ergebnisse die entsprechende Effektivitäts­studie liefern wird. Das Gel wird einmal täglich auf die Oberarme und die Brust aufgetragen, um dann in den Blutkreislauf einzudringen.
  • Injektion mit Langzeitwirkung: Verhütungsalternativen, die nicht täglich angewendet werden müssen, werden ebenfalls erforscht. Bei einem vielversprechenden Skalpell-freien Ansatz werden Polymere in den Samenleiter injiziert, um den Spermientransport zu unterbrechen– es sollen also keine Spermien mehr entweichen können. Die Vorteile dieser Methode: Es müssen keine Hormone mit möglichen Nebenwirkungen verabreicht werden, die Methode hält mehrere Jahre an und sie ist reversibel.

Die Bereitschaft zur Anwendung dieser Verhütungsmittel und -methoden könnte noch weiter steigen – sofern sich zeigt, dass sie gesundheitliche Vorteile für den Mann, aber auch für die Frau bedeuten. Denn die Nebenwirkungen aufgrund der Einnahme hormoneller Kontrazeptiva sind viele Frauen leid. Experten prognostizieren einen möglichen Umsatz von rund einer Milliarde Dollar bis 2024, wenn binnen der nächsten fünf Jahre eine weitere überzeugende, zuverlässige und sichere Verhütungsmethode für den Mann auf den Markt kommt.

Stealthing, ein No-Go!

Leider kommt es immer wieder vor, dass sich Männer in punkto Kontrazeption nicht so vorbildlich an die Regeln halten. Die Rede ist von Stealthing. Das ist kein neuer Sex-Trend, sondern im eigentlichen Sinn eine Straftat. Denn Stealthing bedeutet, dass Männer beim Geschlechtsverkehr heimlich und von der Partnerin oder dem Partner unbemerkt das Kondom abziehen. Der Sexualpartner bemerkt dies dann oft erst nach der Ejakulation. Das hat nichts mehr mit einvernehmlichem Sex zu tun!

Stealthing kann zu einer ungewollten Schwangerschaft führen. Außerdem birgt es ein extrem hohes Infektionsrisiko für sexuell-übertragbare Krankheiten, etwa HIV, Syphilis, Tripper oder Chlamydien. Umso tragischer ist es, dass sich im Internet Tipps und Ratschläge dazu finden lassen, wie Männer Kondome beim Sex unbemerkt loswerden können. Bleibt zu hoffen, dass das unsägliche Vorgehen als Straftatbestand benannt und verankert wird. Einen Präzedenzfall gab es bereits in der Schweiz. Dort wurde 2017 ein Mann in aufgrund von Stealthing erster Instanz wegen Vergewaltigung, in zweiter Instanz wegen „Schändung“ verurteilt. Der Täter erhielt eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung. Stealthing-Opfer sind auf alle Fälle gut damit beraten, rechtliche Schritte einzuleiten.

 

Varikozelen-Operation

Operation bei Krampfadern des Hodens zur Beseitigung von Schmerzen. In manchen Fällen führt sie auch zur Verbesserung der Fruchtbarkeit.

Hydrozelen-Operation

Diese Operation wird bei Wasserbruch oder Wasseransammlung im Hoden durchgeführt.

Testikuläre Denervierung

Operatives Verfahren zur Beseitigung von chronischem Hodenschmerz, wenn alternative Behandlungen nicht anschlagen.